Lichtorgel & Bier

16. Mai 2001, 22:33
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Wiener Clubkultur: Das Techno-Café und der Rest vom Fest

Man soll ja nicht überkritisch oder vorauseilend böse sein, sonst deuten wieder Leute mit dem Finger auf einen, sagen "Bäh" und zeigen einem die Zunge. Aber man muss doch festhalten, dass in und rund um die Clubkultur Dinge passieren, die so anderswo nicht durchgehen würden: Beim Techno-Café etwa.

Diese nächsten Dienstag im Volksgarten-Pavillon eröffnende Einrichtung verlangte bisher von den ohnehin schon zart von Masochismus gesteuerten Besuchern - das bekannt gute "Service" - einen Eintrittspreis. Begründet wurde dieser unter anderem mit der aufwendigen Dekoration, die der geschulte Besucher in Form bunter Glühbirnen auch sofort erkannte: wow! Da hat jemand keine Kosten und Mühen gescheut!

Auch die Musik hob sich kaum je von den üblichen lieb-harmlosen Techno-Spielarten ab, die, wenn sie nicht da wären, auch niemandem abgingen - außer dem jeweiligen DJ vielleicht.

Möge es sich dieses Jahr zum Besseren wenden oder gratis sein! Die Musik. Beim Service beging das Prinzip Hoffnung jüngst Selbstmord.

Zur Eröffnung spielen live Autotune. Wie werden die wohl klingen?
22. 5. Techno-Café, Volksgarten-Pavillon, 1., Burgring 1. 21.00

"Bar-Modern"-Fundamentalisten werden wieder einmal erbost sein und in garstigen Mails auf der Rhiz-Homepage "wortgewaltig" den Untergang des Staubsaugers beklagen, wenn am Freitag DJ Herbie, Hergo und Hutti zu dem Motto In Rock verlegen.

Zu erwarten sind Klassiker der Grundelstimme und der dröhnenden Gitarre: Mittels Saint Vitus, Black Sabbath bis hin zu Clutch und AC/DC wird der immer währende Bierbauch abgefeiert werden.

Gratis Windeln für erschrockene Technokinder sind an der Bar erhältlich.
18. 5. Rhiz, 8., Lerchenfelder Gürtelbögen 37/38. 21.00

Im Pop-Club High Fidelity findet zur selben Zeit ein programmkonformes Konzert statt: Le Hammond Inferno werden mit ihrer Mischung aus Pop und House bzw. Disco-Beats für eine schweißnasse Tanzfläche im Flex sorgen. Davor und danach verlegen DJ Nick und Eva Umbau Artverwandtes.
18. 5. Flex, 1., Donaukanal. 22.00

"Internationale Topkünstler" verspricht Converse-Veranstalter Rudi Wrany, um dann Marcus Hacker und Reinhard Wimmer aus der bekannten bayrischen Metropole Pfarrkirchen anzuführen. Diese beiden Herren veröffentlichen auf dem einschlägig bekannten Label Spinning Wheel und gelten als Prinzen im Nu Jazz, also einer jazzlastigen neumodernen Tanzmusik. Bierzelt mit Lichtorgel quasi und sehr lässig! Zusammen mit dem Spanier Oscar Mulero legen die beiden am Samstag in der Meierei im Stadtpark auf, die bekanntlich mit ihrer Terrasse im Sommer so manchen Hitzeschock der Tanzfläche abfangen kann. Hingehen!
19. 5. Meierei, 3., Stadtpark. 22.00
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17. 5. 2001)

Von
Karl Fluch

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