Hirnschmalz und Party

16. Mai 2001, 21:23
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Das dreitägige Grazer Electronic-Festival "Spring One"

Graz - Die Club-Kultur geht in die Schule. Das ist nichts Neues. Da gibt es bereits die Red Bull Music Academy, die junge wissens- und auch sonst durstige DJs aus aller Welt einmal im Jahr an irgendeinen "funky" Ort einlädt, um sie dort mit Protagonisten, Theoretikern und Vordenkern rund um das Thema DJ- und Club-Kultur zu konfrontieren.

Daran erkennt man, dass etwas, das als hedonistischer Wochenendspaß oder als Block-Party einst begonnen hat, längst schon Thema kulturtheoretischer Untersuchungen ist. Diese können sich mit historischen Fakten befassen, sie können sich mit der Wahrnehmung und ihrer Veränderung angesichts dieser Kultur auseinander setzen oder schlicht und einfach das Handwerk erklären: Wie schaut den so ein Plattenspieler innen aus und was zum Teufel bedeutet jetzt scratchen eigentlich genau?

Spring One widmet sich in einem dreitägigen, nun ja, Veranstaltungssymposion dem Thema "Electronic Art And Music".

Dabei soll untersucht, erklärt und vor allem auch präsentiert werden, dass die Wirkungskreise dieser Unterhaltungskultur längst in viele Bereiche des Lebens eingedrungen ist: in die Musik sowieso, aber auch ihre Fortsetzung in anderen Medien wie Video und dem Internet als Distributions- und Darstellungsplattform für Labels und ihre Künstler.

Dazu finden Workshops und das Symposion "Techno-Visionen" statt, für das bekannte Namen wie etwa der britische Journalist und Musikautor David Toop als Referent verpflichtet wurden. Das Abend- und Nachtprogramm gestalten an verschiedensten Grazer Szeneorten rund 60 verschiedene Künstler, damit der ursprüngliche und eher ideologiefreie Party-Faktor dieser Kultur nicht im angestrengten Hirnschmalz versinkt.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17. 5. 2001)

Von
Karl Fluch

Spring One:
Festival for Electronic Art And Music

17. bis 20. Mai,
Graz,

Vollständiges Programm und Infos unter
www.springone.at

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