Der König schlägt seinen Fürsten

16. Mai 2001, 23:05
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Sittenstück: Wie Dietmar Pflegerl die Wörthersee-Bühne verlor

Klagenfurt - Vielleicht war Dietmar Pflegerl, der von Landeshauptmann Haider überraschend düpierte Intendant des Klagenfurter Stadttheaters, auch nur mit Nachtblindheit geschlagen. Womöglich hatte er auf die kluge Zähigkeit seiner wägenden, bei Bedarf auch wetterwendigen Theaterpolitik ganze Stücke gesetzt: auf "Schmachtfetzen" wie das peronistische Jackie-O.-Passionsspiel Evita, das nach Investition von 30 Millionen Schilling als freiluftige Sommerergötzung am Wörthersee gutes Geld für das Stadttheater abwerfen soll.

Ab 2002 machen Bundesdeutsche die große Kohle am lauen See; treiben sie Falco und Amadeus zu Paaren zusammen und schließen Klagenfurt an die transnationale Geldpumpe der Berliner Musical-Tycoons an. Treuherzig wird von den Notabeln, dem Landeshauptmann (FP) und dem Bürgermeister (VP), verschwiegen, wie asthmatisch die Musical-Glitzertempel von Gelsenkirchen bis Pforzheim aus allen Löchern pfeifen.

"Bei 40 Millionen", rechnet der bis 2007 verlängerte Intendant vor, "hätten wir den Breakeven-Punkt erreicht; ab dann hätten wir in jene Projekte investieren können, die mir am Herzen liegen." Pflegerl meint: Werner Koflers Tanzcafé Treblinka, eben uraufgeführt, oder die Chronik Das Dorf an der Grenze.

Was ist passiert in dem heiklen, heiteren Zusammenspiel von Herrscher (Haider) und Fürst (Pflegerl)? "Gelinkt" fühlt sich Pflegerl, der auch noch keinen einzigen Groschen der von Haider zugesagten Neufinanzierung des Klagenfurter Theaterorchesters (rund fünf Mio. S plus) überwiesen bekommen hat.

Irgendetwas ist schief gelaufen: Die längste Zeit war von dem vertrauensvollen Verhältnis der beiden Hauptdarsteller die Rede; wollten Kiebitze die beiden in Klagenfurt beim trauten Mittagsmahl beobachtet haben; dachte man daran, dass sich Pflegerl früher vor allem mit SP-Kommunalpolitikern verlässlich in der Wolle hatte.

Heute presst Pflegerl Sätze wie diese knirschend hervor: "Hier können Sie der Achse FP-VP bei der Arbeit zusehen!" Es ist mit einer einzigen Entscheidung viel passiert in Klagenfurt.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17. 5. 2001)

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