Air France muss Buße tun

16. Mai 2001, 19:00
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Französische Airline wegen Überbuchung der Flieger verurteilt

Paris - Drei Monate im Voraus hatte die Französin ihr Flugticket gelöst - und blieb auf dem Flughafen von Bastia sitzen. Die schwangere Frau hatte im Sommer 1997 auf Korsika die Ferien verbracht und wollte im Anschluss daran zusammen mit ihrer fünfjährigen Tochter nach Lille zurückfliegen. Der Zutritt zum Flugzeug wurde ihr allerdings im letzten Moment verweigert, weil alle Sitze belegt waren. Ein typischer Fall von Overbooking, wie das heute von allen größeren Fluggesellschaften systematisch praktiziert wird. Wer Pech hat, hebt im entscheidenden Moment nicht ab.

Bei Air France komme das nur ganz selten vor, verteidigt sich Frankreichs nationale Airline: Nur jeder tausendste Fluggast sei betroffen. Dies sei vertretbar, da im Gegenzug massiv Kosten gespart würden, wenn mehr Tickets verkauft würden, als im entsprechenden Flugzeug Passagiersitze zur Verfügung stünden. Die Rechnung, so Air France, gehe am Schluss für alle auf, da die "Opfer" Ausweichmöglichkeiten und notfalls Entschädigungen erhielten. Die sitzen gebliebene Frau sah das anders. Die Anwältin hörte nach ihrer mühsamen Rückkehr von vielen vergleichbaren Fällen in ihrer Nachbarschaft und reichte Klage ein.

Präzedenzfall

In einem Präzedenzfall hat das Berufungsgericht von Douai in dieser Woche Air France verurteilt. Deshalb muss der Carrier 2000 Francs (4195,5 S/305 EURO) Entschädigung zahlen und für die Gerichtskosten von 5000 Francs aufkommen. Air France berief sich vergeblich auf eine EU-Direktive, laut der das Überbuchen manchmal zulässig ist. Das französische Gericht befand, Air France habe mit der Kundin einen Beförderungsvertrag abgeschlossen und diesen nicht eingehalten. (Stefan Brändle, DER STANDARD, Printausgabe 17.5.2001)

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