Strafanzeigen gegen frühere bosnisch- kroatische Amtsträger

16. Mai 2001, 17:15
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Hardlinern droht wegen Aufkündigung des Dayton-Abkommens ein Verfahren

Belgrad/Sarajewo - Das Verteidigungsministerium der Bosniakisch-Kroatischen Föderation hat Strafanzeige gegen drei frühere hohe kroatische Amtsträger erstattet. Wie die jugoslawische Presseagentur Tanjug am Mittwoch meldete, hängen die Strafanzeigen gegen das frühere kroatische Mitglied des Staatspräsidiums von Bosnien-Herzegowina, Ante Jelavic, den Ex-Verteidigungsminister der Föderation, Miroslav Prce, und den früheren stellvertretenden Chef des gemeinsamen Militärkommandos der Föderation, Dragan Curcic, mit der eigenmächtig proklamierten kroatischen Autonomie zusammen. Jelavic war vom internationalen Bosnien-Beauftragten Wolfgang Petritsch seines Amtes enthoben worden.

Bosnisch-kroatische Hardliner der Nationalistenpartei HDZ (Kroatische Demokratische Gemeinschaft) haben das Dayton-Abkommen de facto aufgekündigt. Nach dem unter amerikanischer Federführung geschlossenen Abkommen besteht der Staat Bosnien-Herzegowina aus zwei Gebietseinheiten ("Entitäten") - der "Serbischen Republik" und der "Bosniakisch-Kroatischen Föderation". Die Kroaten hatten sich 1995 verpflichten müssen, ihren illegalen Separatstaat "Herceg Bosna" aufzulösen.

Der Pressesprecher des Föderations-Verteidigungsministeriums, Anton Mrkonjic, hat Jelavic laut Tanjug beschuldigt, am 5. März die Auflösung der kroatischen Komponente der Föderationsstreitkräfte widerrechtlich angeordnet zu haben. Prce und Curcic hatten diese Entscheidung umgesetzt. Sie führte dazu, dass rund 9.000 kroatische Soldaten die einheitlichen Föderationsstreitkräfte verließen.(APA)

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