Ohio: Führerloser Geisterzug mit Chemikalien nach 100 Kilometern gestoppt

16. Mai 2001, 16:33
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Alle Sicherheitssysteme versagten

Washington - Ein furchtloser Lokomotivführer ist im US-Bundesstaat Ohio auf einen fahrenden Güterzug gesprungen und hat dessen Geisterfahrt nach mehr als 100 Kilometern gestoppt. Jon Hosfeld wurde am Mittwoch von der Lokalzeitung "The Plain Dealer" als Held gefeiert.

Raste zeitweise mit mehr als 70 Stundenkilometern durch die Landschaft

Die Eisenbahngesellschaft meinte zunächst, der Zugführer habe im Führerstand einen Herzinfarkt erlitten. Hosfeld fand an Bord der Lokomotive jedoch niemanden vor. Der Zug mit 47 Waggons muss sich nach ersten Erkenntnissen bei der Beladung in einem Bahnhof in der Nähe von Toledo selbst in Bewegung gesetzt haben. Er hatte unter anderem Chemikalien geladen.

Auf dem Weg Richtung Süden gewann der Zug schnell an Fahrt und raste zeitweise mit mehr als 70 Stundenkilometern durch die Landschaft. Die Polizei sperrte alle Bahnübergänge ab. Größtes Risiko war nach Angaben der Polizei eine Entgleisung. In der kleinen Ortschaft Dunbridge verlaufen die Schienen in einer scharfen Kurve. "Wir haben alle in der Nähe der Bahntrasse aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen", sagte Polizist Michael Blair der Zeitung. Der Zug passierte die Stelle ohne Probleme.

Alle Sicherheitssysteme versagten

Offenbar versagten bei dem Zug alle Sicherheitssysteme, die führerlose Züge automatisch stoppen sollen. Die Bahngesellschaft schickte schließlich eine zweite Lok auf den Weg, die sich von hinten an den Zug ankoppelte und die Waggons auf rund 15 Kilometer pro Stunde abbremste. Lokomotivführer Hosfeld sprintete ein Stück am Zug entlang, ehe er aufsprang und in die Führerkabine stieg. Der Zug kam nach gut 100 Kilometern südlich von Kenton zum Stehen. Die Eisenbahngesellschaft CSX hat eine Untersuchung eingeleitet. (APA/dpa)

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