Mitochondrien und Krebs

16. Mai 2001, 15:37
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Gentische Veränderungen in den "Kraftwerken der Zellen" scheinen eine wichtige Rolle zu spielen

Wien - Krebs ist offenbar nicht nur eine Angelegenheit der Erbsubstanz im Zellkern. 60 Prozent von Frauen mit Brustkrebs weisen auch genetische Veränderungen in den "Kraftwerken" der Zellen - den Mitochondrien - auf. Das erklärte am Mittwoch beim Internationalen Humangenetik-Kongress in Wien der argentinische Wissenschafter N. Bianchi.

Bisher hat sich die Krebsforschung vor allem auf die Gen-Veränderungen konzentriert, die bei der Entstehung von bösartigen Erkrankungen im Zellkern auftreten. Dort ist der Hauptteil des menschlichen Genoms. Bei vererbbarem Brustkrebs wurden bisher beispielsweise die BRCA1 und BRCA2-Gene im Zellkern identifiziert. Trägerinnen haben ein extrem hohes Risiko an Mammakarzinomen und/oder Eierstockkrebs zu erkranken.

Doch auch die in jeder Zelle vielen Tausend "Kraftwerke", die für die Energieversorgung zuständig sind, befindet sich Erbsubstanz. Sie wird mütterlicherseits vererbt. Auf ihrer Analyse beruht die Erkenntnis, dass "Eva" als Urmutter des Menschengeschlechts aus Afrika stammen muss.

Die argentinischen Wissenschafter untersuchten 40 Frauen mit Brustkrebs auf genetische Veränderungen im Kern von Tumorzellen und im Erbgut der Mitochondrien.

Bianchi: "60 Prozent der Brustkrebspatientinnen wiesen auch Instabilitäten in den Mitochondrien auf. Das heißt, es handelte sich um Mutationen, die nicht vererbt worden waren, sondern erst mit der Entstehung des Tumors auftraten."

Die Erkenntnisse könnten Auswirkungen auf die Behandlung von Frauen mit Brustkrebs haben. Der Wissenschafter aus La Plata: "Wir glauben nicht, dass diese Veränderungen in den Mitochondrien für die Entstehung von Brustkrebs selbst verantwortlich sind. Aber sie haben wahrscheinlich etwas zu tun mit der Reaktion der Erkrankten auf die Chemotherapie."

Da die "Kraftwerke der Zelle", die Mitochondrien, im Mittelpunkt des Stoffwechsels stehen, könnte in Tumorzellen von ihnen abhängen, ob ein Krebsmedikament schneller oder langsamer abgebaut wird bzw. wie die Tumorzelle auf das toxische Arzneimittel reagiert. Davon kann der Effekt einer solchen Chemotherapie abhängen.(APA)

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