Lob und Tadel für neues Uni-Dienstrecht vom FWF-Chef

16. Mai 2001, 15:18
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Massive Kritik vom Rektor der "Angewandten"

Wien - Lob und Tadel gibt es für den Entwurf für ein neues Hochschullehrer-Dienstrecht vom Präsidenten des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF), Arnold Schmidt. Die geplante Neueinführung von "wissenschaftlichen Mitarbeitern in Ausbildung" und die Vorschrift, dass Assistenten über ein abgeschlossenes Doktoratsstudium verfügen müssen, stellten einen großen Schritt nach vorne dar, erklärte Schmidt in einer Aussendung. Damit würden die heute weitgehend üblichen unterschiedlichen Positionen von Doktoranden und Postdocs endgültig auch in Österreich eingeführt.

Kritisch sieht Schmidt die geplanten Vertragsdauern. Im Gegensatz zum deutschen Reformentwurf, nach dem Doktoranden- und Postdoc-Zeit zusammen nicht länger als sechs Jahre dauern dürfen, um sich für eine "Junior-Professur" bewerben zu können, sei im österreichischen Entwurf ein viel zu langer Zeitraum vorgesehen: vier Jahre Mitarbeiter in Ausbildung, sechs Jahre Assistent, zusätzlich bis zu vier Jahre Auslandsaufenthalt. Nach Ansicht Schmidts sollten erfolgversprechende Wissenschafter im Alter von Ende 20, Anfang 30 eigenständige Positionen einnehmen.

Schmidt hat auch die im Dienstrechts-Entwurf vorgesehenen Gehälter für Doktoranden und Assistenten analysiert. Der FWF-Präsident weist darauf hin, dass die im neuen Dienstrecht vorgesehenen Doktoranden-Sätze an der Uni mit 1.533 Euro netto monatlich um 50 Prozent höher seien als in vergleichbaren Positionen. Und dass der Gehaltsunterschied zwischen einem "Wissenschaftlichen Mitarbeiter in Ausbildung" und einem Assistenten nur zehn Prozent ausmachen soll, hält Schmidt für "schlicht einen Irrtum".

Massive Kritik am geplanten neuen Dienstrecht übt der Rektor der Universität für angewandte Kunst, Gerald Bast, am Mittwoch in einer Aussendung. Nach seiner Ansicht ist es teurer und komplizierter als das derzeitige. Es verursache etwa 20 Prozent Mehrkosten jährlich. Damit müssten für die gleiche Leistung 20 Prozent mehr Steuergelder ausgegeben oder das Personal an den Universitäten um 20 Prozent reduziert werden. Das neue Dienstrecht ersetze Dienstverhältnisse durch Ausbildungsverhältnisse, wobei "Wissenschaftliche Mitarbeiter in Ausbildung" erst ab dem dritten Dienstjahr und dann auch nur zwei Stunden in der Lehre eingesetzt werden könnten. In Wahrheit handle es sich dabei um einen politischen Taschenspielertrick, weil für Ausbildungsverhältnisse keine Planstellen erforderlich sind. Außerdem bringe das neue Dienstrecht weder eine Vereinfachung der Personalstruktur noch der Verfahrensabläufe.

Bast fordert dagegen, ein sachgerechtes Universitäts-Dienstrecht nach dem Muster des Angestelltengesetzes zu schaffen. Also ohne Pragmatisierung auf vertraglicher Basis, in dem sich die Beschäftigungsdauer nicht nach starren Fristen, sondern nach Bedarf und Qualifikation richte und in dem die Entlohnung nicht nach Gehaltsstufen, sondern vom Rektor nach Qualifikation, Marktlage und den budgetären Möglichkeiten festgelegt werde.(APA)

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