Welteke warnt vor zu hohem Abschluss für Lufthansa-Piloten

26. Mai 2001, 16:39
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Schlichtungsgespräche noch in der Vorbereitung

Frankfurt/Main - Mit Blick auf mögliche negative Auswirkungen auf die Inflation hat Bundesbank-Chef Ernst Welteke vor einem zu hohen Tarifabschluss bei den Lufthansa-Piloten gewarnt. Der laufende Streit ums Geld bei der Kranichlinie könnte "ein schlechtes Beispiel" geben, sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom Freitag. Die Tarifparteien aller Branchen müssten darauf achten, dass sie einen "stabilitätskonformen" Abschluss erzielten. Bei zu hohen Tarifabschlüssen könne sich "leicht eine Lohn-Preis-Spirale entwickeln, die dann zu noch höheren Inflationsraten führt", warnte der Bundesbank-Präsident. Die Lufthansa und die Pilotenvereinigung Cockpit suchten unterdessen zusammen mit dem Schlichter Hans-Dietrich Genscher weiter nach einem Kompromiss.

Die Schlichtungsgespräche befanden sich zunächst offenbar noch in der Vorbereitung und hatten noch nicht offiziell begonnen. Sie sollten "zügig" aufgenommen werden, sagte eine Lufthansa-Sprecherin. Ansonsten verweigerte sie ebenso wie Cockpit jeden Kommentar. Das Büro Genschers dementierte seinerseits einen Bericht der "Bild"-Zeitung, wonach sich der FDP-Politiker drei Wochen Zeit für die Schlichtung gegeben habe und die Verhandlungen im Privathaus des ehemaligen Bundesaußenministers in Pech bei Bonn stattfinden. Nach Angaben aus Verhandlungskreisen ist vielmehr ein Hotel als Schlichtungsort ausgewählt, um ausreichend Übernachtungs- und Rückzugsmöglichkeiten für beide Seiten zu haben.

24 Prozent mehr Geld gefordert

Die Fluggesellschaft bot ihren 4200 Cockpit-Beschäftigten zuletzt sofort bis zu 13,6 Prozent mehr Geld sowie eine variable Beteiligung am Konzernergebnis in Höhe von zwei Monatsgehältern. In den kommenden drei Jahren sollte das Gehalt um die durchschnittliche Tariferhöhung in Deutschland steigen, zudem standen erneut ergebnisabhängige Zuschläge in Aussicht. Die Piloten stellten sich vor allem gegen die lange Laufzeit; die Vereinigung Cockpit forderte allein in diesem Jahr 24 Prozent mehr Geld.

Mit Blick auf diese Zahlen warnte Welteke die Tarifparteien davor, die gesamtwirtschaftliche Entwicklung aus dem Auge zu verlieren. Dies gelte vor allem angesichts der hohen Arbeitslosenzahl. Als positives Beispiel nannte Welteke den Tarifabschluss bei den Banken, deren Beschäftigte in diesem Jahr rund drei Prozent mehr Geld bekommen. "Das scheint eine vertretbare Größenordnung zu sein." (APA)

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