TV1.de am deutschen Markt gescheitert

16. Mai 2001, 14:58
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Web TV ist ohne Content-Partner chancenlos

Der Web TV-Anbieter TV1.de tv1.de sieht sein Konzept gescheitert, sich als Internetsender auf dem deutschen Markt zu etablieren. Geschäftsführer Michael Westphal räumte Fehler in der Firmenstrategie ein. "Unsere Vision, in Konkurrenz mit großen Portalen wie T-Online treten zu können, hat sich nicht erfüllt", sagte Westphal am Mittwoch auf der TV1.de Pressekonferenz zur Internet World 2001. "Da wir die nötigen Nutzerzahlen nicht aufbringen können, werden wir künftig die Inhalte an große Portale liefern." Über die Zusammenarbeit verspricht sich der Web TV-Anbieter, neue Werbepartner über die Portale zu gewinnen.

Zur Branchensituation sagte Westphal, Streaming Media habe eine bessere Position verdient, als sie derzeit auf dem Markt einnehme. Die Unternehmen seien für das Medium aber noch nicht gerüstet. "Bislang sind die Firmen einfach nur froh, wenn überhaupt Videos über ihre Webseite laufen." Sie erteilten heute Aufträge, die technisch schon vor zwei Jahren möglich gewesen wären. Eine Verschmelzung des Fernsehens mit dem Web TV hält Westphal für sinnvoll. "Die Verschmelzung wird auf jeden Fall kommen", sagte er gegenüber pressetext.deutschland. "Bis dahin werden aber noch acht bis zehn Jahre vergehen."

Die unzureichende Vorbereitung der Unternehmen führe dazu, dass der Zuschauer derzeit noch auf der Strecke bleibe und nicht die gewünschten Inhalte erhalte. "Es fehlt ein Guide, der den Nutzer durch das Programm führt, wie etwa der Kommentator bei Fußballübertragungen im Fernsehen." Für einen Aufschwung bei Streaming Media könne außerdem das E-Voting sorgen. "Ab Sommer oder Herbst werden wir damit beginnen, elektronische Abstimmungen mit Videos zu verknüpfen", so Westphal. Erste Demos für den UMTS-Standard will TV1.de im Oktober auf der Systems in München zeigen.

Auf der Pressekonferenz zur Internet World präsentierte Westphal den Relaunch der TV1.de B2B-Plattform. "Wir haben die Aufwendungen für die Technik etwas zurückgefahren und uns stärker auf die Inhalte konzentriert", sagte Westphal. Über die Plattform laufen täglich zwischen acht und 16 Nachrichtenclips, die sich der Nutzer in einer Playlist selbst zusammenstellen kann. Während im oberen Teil des Bildschirms die Videopräsentation läuft, kann der Anwender im unteren Abschnitt im Internet surfen. (pte)

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