Malaysia: Kontroverse um Quoten gesteuertes Immatrikulationssystem

16. Mai 2001, 14:40
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Ethnische Malaien bevorzugt

Penang - In Malaysia laufen hitzige Debatten über das Quoten gesteuerte Immatrikulationssystem, das ethnische Malaien bevorzugt und chinesisch- oder indischstämmige Studienplatzbewerber benachteiligt.

Die Bestimmungen datieren aus der Zeit nach der Unabhängigkeit im Jahre 1957 und sind Teil der noch immer aufrechterhaltenen Förderpolitik für die damals in vielen Sphären benachteiligten 'Bumiputra' (Malaien und andere Ureinwohner). Diese Politik gilt als wichtigster Grund für die ethnischen Spannungen in dem südostasiatischen Land.

Das System bindet die staatlichen Universitäten an eine '55-zu- 45-Quote', nach der Malaien 55 Prozent der Studienplätze und Studenten chinesischer und indischer Abstammung 45 Prozent der Plätze erhalten. Malaien und indigene Gemeinschaften stellen 60 Prozent der Bevölkerung von etwa 24 Millionen Menschen, Chinesen rund 27 Prozent und Inder um die acht Prozent.

Das umstrittene Einschreibesystem gilt offenbar auch für besonders begabte Schulabsolventen, die in diesem Jahr direkt - ohne die sonst erforderliche Zusatzausbildung - von der Schule auf die Universitäten hätten gehen sollen.

Zuerst zu wenig ...

Am 3. Mai hatten die nationalen Nachrichten unter Berufung auf einen Beamten aus dem Bildungsministerium gemeldet, dass die aktuellen Immatrikulationszahlen vor allem aufgrund des geringen Interesses junger Malaien um 15 Prozent hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind. Es hätten 38.000 neue Studienplätze vergeben werden sollen. Den Berichten zufolge waren aber 7.168 für Malaien reservierte Plätze noch frei.

Drei Tage später erklärte Regierungschef Mahathir etwas ungehalten, er denke darüber nach, das Quotensystem abzuschaffen. "In allen 43 Jahren unserer Unabhängigkeit haben wir die Bumiputra gefördert, wenn sie jetzt kein Interesse an einer universitären Ausbildung haben, sollen eben andere davon profitieren."

... dann doch besetzt

Schon am 8. Mai aber sah die Lage ganz anders aus. Das Bildungsministerium gab bekannt, dass nach neuen Statistiken doch alle Studienplätze für Malaien besetzt seien und sich 11.376 Studienplatzanwärter aus der ethnischen Gruppe vergeblich um eine Zulassung beworben hätten.

Bei den früheren Angaben seien 8.365 Immatrikulationsunterlagen ethnischer Malaien übersehen worden. Tatsächlich liege die Zahl der neuen Erstsemester bei 39.197 und damit deutlich über den Erwartungen, erklärte derselbe Beamte, der am 3. Mai von den Medien zitiert wurde.

Quotenerhöhung möglich

Malaysias Bildungsminister Musa Mohamad nutzte die Gelegenheit am 10. Mai und erklärte, die Regierung denke darüber nach, die Bumiputra-Quote von 55 auf 66 zu erhöhen. Dies spiegele die Bevölkerungsverteilung besser und sollte vielleicht einfach einmal ausprobiert werden, ließ er die Öffentlichkeit wissen.

Für Oppositionspolitiker wie Lim Kit Siang von der Demokratischen Aktions-Partei (DAP) sind solche Pläne eine Zumutung und den Bedürfnissen des südostasiatischen Landes völlig unangemessen. Die Wirtschaft brauche Universitätsabgänger mit Talent, Kreativität und Innovationsgeist. Statt auf eine ethnische Sortierung der Studenten sollte sich die Regierung besser um die Qualität der Ausbildung an Schulen und Universitäten kümmern.

Viele malaysische Schulen sind unterfinanziert und miserabel ausgestattet. Es fehlt vor allem in den Instituten in ärmeren Gegenden an Inventar, Büchern und motivierten Lehrern. Die Pädagogen werden schlecht bezahlt und haben so gut wie keine Möglichkeit zum beruflichen Aufstieg.

Folge: Abwanderung der Begabten

Folge der Einschreibebedingungen an malaysischen Universitäten ist eine Abwanderung vieler begabter Schüler ins Ausland. Wer daheim keinen Studienplatz bekommt und eine private Universität nicht bezahlen kann, bewirbt sich in Übersee um ein Stipendium. Die Besten haben Glück und fehlen Malaysia später bitter, denn zurück nach Hause gehen längst nicht alle. (IPS)

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