Ungarns Sozialisten unterstützen parteilosen Spitzenkandidaten

16. Mai 2001, 13:09
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Ex-Finanzminister Medgyessy setzt sich gegen Parteichef Kovacs durch

Budapest - Der Vorsitzende der oppositionellen ungarischen Sozialisten (MSZP), Laszlo Kovacs, tritt von seiner Kandidatur für das Amt der Ministerpräsidenten bei den Parlamentswahlen im Mai 2002 zurück. Das erklärte der Chef der stärksten ungarischen Oppositionspartei am Mittwoch. Mit dem Rücktritt von Kovacs würde nur noch der parteilose Ex-Finanzminister Peter Medgyessy als sozialistischer Spitzenkandidat übrig bleiben. Seine Bewerbung muss noch vom MSZP-Parteitag am 9. Juni bestätigt werden.

Auf einer Parteivorstandssitzung am Montag war ein Dokument verabschiedet worden, das die Zusammenarbeit zwischen Partei und Premier regelt. Dies sei wichtig für den Fall, so Parteidirektor Ferenc Baja, dass die MSZP einen außerparteilichen Kandidaten wie Medgyessy für das Amt des Premiers nominiert. Das Dokument sichert dem Regierungschef das Recht auf Teilnahme am Meinungsbildungsprozess in den führenden Gremien der Partei zu. Der Premier muss jedoch den Parteivorstand konsultieren, wenn er sozialistische Minister oder Staatssekretäre absetzen oder ernennen will.

Mit Medgyessy größere Hoffnung auf Wahlsieg

"Ohne äußeren Druck und nach gründlicher Überlegung verzichte ich auf die Kandidatur für den Posten des Premiers", verkündete Laszlo Kovacs am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Budapest. Der Vorsitzende der oppositonellen Sozialisten (MSZP) gab damit den Weg frei für den parteilosen Peter Medgyessy. Kovacs betonte, die Sozialisten hätten größere Chancen auf den Wahlsieg, wenn er als Parteichef und Medgyessy als Kandidat für den Regierungschef kooperierten.

Der 1942 geborene Peter Medgyessy absolvierte 1966 die Wirtschaftswissenschaftliche Universität "Karl Marx" in Budapest. Danach arbeitete er im Finanzministerium, avancierte 1980 zum Leiter der Hauptabteilung Staatshaushalt. 1982 wurde Medgyessy zum stellvertretenden Finanzminister berufen und hatte von 1986 bis 1987 das Amt des Finanzministers inne. 1987 bis 1990 fungierte er als stellvertretender Vorsitzender des Ministerrates.

Peter Medgyessy war von 1987 bis 1989 Mitglied des Zentralkomitees der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei. Er ist gegenwärtig parteilos. Von 1990 bis 1994 arbeitete Medgyessy als Generaldirektor der französischen Paribas Bank AG. 1994 leitete er das Beratergremium des damaligen Premiers Gyula Horn. 1994 bis 1996 hatte er das Amt des Generaldirektors der Ungarischen Bank für Investitionen und Entwicklung inne. 1996 wurde er zum Finanzminister der Horn-Regierung ernannt.

Seit 1998 ist Medgyessy Vorsitzender der Direktion der Inter-Europa Bank AG und Vizepräsident der Atlasz-Versicherungs-AG. Gegenwärtig unterrichtet er auch an der Hochschule für Finanzwesen und Buchführung und ist Vorsitzender des Ungarischen Rates für Wirtschaftswissenschaft. Im Jahr 2000 erhielt er die höchste französische staatliche Auszeichnung, die Ritterschaft der Ehrenlegion. Medgyessy ist verheiratet und Vater zweier Kinder. (APA)

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