Steyr: Schuldspruch für zwei "Ex-Neo-Nazis"

16. Mai 2001, 13:10
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"KZ war nicht in Ordnung, ich hätte die Leute in den Zug gesetzt und abgeschoben"

Steyr - Zwei junge Männer, die in den 90er-Jahren im Raum Enns in Oberösterreich als Neo-Nazis aktiv waren und eine einschlägige Gruppe um sich geschart hatten, standen am Mittwoch in Steyr wegen NS-Wiederbetätigung vor einem Geschworenengericht. Beide zeigten sich voll geständig und reuig, sie hätten sich heute von ihrem früheren "Gedankengut" völlig abgewendet.

Die heute 23-jährigen Männer hatten bereits gegen Ende ihrer Pflichtschulzeit damit begonnen, im "Freundeskreis" zu "politisieren" und sich intensiv mit nationalsozialistischem Gedankengut zu beschäftigen. Ab 1995 - beide waren gerade 18 Jahre alt - wurde die Neo-Nazi-Gruppe aktiv, wobei einer der beiden jetzt Angeklagten laut Staatsanwalt die Rolle des "Rädelsführers" inne gehabt habe. Was dieser so nicht gelten lassen wollte, er sei eben "der Älteste gewesen und der Einzige mit einem Auto", sagte der Angeklagte, musste aber auch einräumen, dass er von seinen Gesinnungsgenossen als "Obersturmbandführer" tituliert wurde.

Hakenkreuz-Torte

Wie weit die Gruppe zu dieser Zeit bereits mit der NS-Ideologie infiziert war, wurde beim Prozess an einigen Details deutlich: So bekam einer der beiden Angeklagten zum Geburtstag eine Torte mit Hakenkreuz, der andere erhielt, als er 18 wurde, ein Hitler-Relief als Geschenk.

Die beiden jungen Männer wurden vom Richter auch nach ihren Motiven befragt, warum sie sich der NS-Ideologie zugewandt hatten. "Ich war extrem rechts", gestand einer der beiden, "ich habe den Nationalsozialismus gut gefunden, vor allem seine Ausländerpolitik, aber ich bin gegen den Holocaust gewesen". In der Gruppe sei er in seiner Einstellung immer bestärkt worden, berichtete der Angeklagte. Auf die Frage, was er sich dabei dachte, als er einmal im ehemaligen KZ Mauthausen war, antwortete der junge Mann: "Das war nicht in Ordnung, ich hätte die Leute damals nicht umgebracht, ich hätte sie in den Zug gesetzt und abgeschoben".

Schuldspruch: Besuch eines historisch-zeitgeschichtlichen Seminars

Der Prozess endete mit Schuldsprüchen im Sinne der Anklage. Der eine der beiden Angeklagten - er war laut Staatsanwalt der "Rädelsführer" einer Neo-Nazi-Gruppe und ließ sich von seinen Gesinnungsgenossen als "Obersturmbannführer" titulieren - erhielt zwei Jahre bedingte Haft. Der zweite Angeklagte wurde zu 18 Monaten bedingt verurteilt.

Beiden wurde für die dreijährige Probezeit ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt. Außerdem müssen sie innerhalb der nächsten sechs Monate ein historisch-zeitgeschichtliches Seminar absolvieren. Die beiden Angeklagten nahmen Schuldspruch und Urteil an, der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab, daher ist das Urteil noch nicht rechtskräftig. (APA)

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