"Reise ans Ende der Nacht" hält nun Auktions- "Weltrekord"

16. Mai 2001, 12:08
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Célines Manuskript war mysteriös aufgetaucht

Paris - Bei einer Auktion literarischer Manuskripte am Dienstag in Paris ist ein neuer Rekordpreis erzielt worden - allerdings auch für eins der berühmt-berüchtigsten Werke der modernen Literaturgeschichte. Für die handschriftliche Fassung des Romans "Voyage au bout de la nuit" ("Reise ans Ende der Nacht") von Louis Ferdinand Céline (1894-1961) bot die Pariser Nationalbibliothek 12,2 Millionen Franc (etwa 25 Mill. S). Dies sei ein ein "Weltrekord für ein literarisches Manuskript", erklärte das Pariser Experten-Büro Piasa.

Das Manuskript von "Voyage au bout de la nuit" umfasst 876 Blätter im DIN-A-4-Format. Der Roman erschien in seiner Erstfassung 1932 bei Denoel und Steele. Die handschriftliche Fassung veräußerte Céline am 29. Mai 1943 "für 10.000 Franc und ein kleines Gemälde von Auguste Renoir" an den Kunsthändler Etienne Bignou. Seither war nicht bekannt, in wessen Hände das Manuskript geriet. Der britische Sammler Pierre Beres trieb das Original wieder auf, gab aber den Fundort nicht preis.

Bei ähnlichen Versteigerungen wurden auch in früheren Jahren schon Millionenpreise erzielt, aber keine so hohen Summen. Das Manuskript für den "Prozess" von Franz Kafka war 1988 vom Auktionshaus Sotheby's für umgerechnet rund 21 Millionen Schilling verkauft worden, die handschriftliche Fassung eines Romans von Marcel Proust im Jahr 2000 für rund 15 Millionen Schilling.

Der teilweise autobiografische Roman Célines, der zuvor als Armenarzt gearbeitet hatte, listet in einer fulminanten Weltbeschimpfung negativen Seiten der modernen Zivilisation auf und hatte durch seine kompromisslose Sprache starke Einflüsse auf die französische Literatur. Céline driftete danach ins Rechtsaußen ab, kam durch seine Kollaboration mit dem Vichy-Regime und einschlägige weitere Romane kräftig in Verruf, hielt sich nach dem Zweiten Weltkrieg mehrere Jahre im Ausland auf und kehrte erst 1952 nach Frankreich zurück. (hcl/APA)

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    foto: ed. gallimard/cover
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