UNICEF: Lage der ärmsten Länder der Welt verschlechtert sich

16. Mai 2001, 11:53
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Hunderte Millionen Menschen - die Hälfte davon Kinder - leben in extremer Armut

Brüssel/Genf/New York/Wien - Laut einem von dem Kinderhilfswerk UNICEF veröffentlichten Bericht hat sich die Lage der ärmsten Länder während der neunziger Jahre immer mehr verschlechtert. Hunderte Millionen Menschen - die Hälfte davon Kinder - leben in extremer Armut.

Das Wohlergehen der Kinder in den so genannten "am wenigsten entwickelten Länder" wird u.a. von den Faktoren fehlende Bildung, Mangelernährung, Krankheiten und Kriege bedroht. Die Bevölkerung in diesen 49 betroffenen Ländern bleibe dadurch in einem Kreislauf aus Armut und Hoffnungslosigkeit gefangen.

Impf-, Alphabetisierungs- und Einschulungsrate zu niedrig

Trotz allem hebt der Bericht unter dem Titel "Armut und Kinder: Lektionen aus den 90ern für am wenigsten entwickelte Länder", der für die Dritte UN-Konferenz in Brüssel erstellt wurde, auch einige positive Beispiele hervor: Bangladesch, Malawi und Uganda verringern etwa bereits die Kluft zu anderen Entwicklungsgebieten durch gezielte Investitionen in grundlegende Sozialleistungen für Jugendliche, vor allem in Schulbildung für Mädchen.

Betont wurde in dem Report, dass in den "am wenigsten entwickelten Ländern" im Vergleich zu anderen Entwicklungsgebieten die Säuglingssterblichkeit höher, aber die Impf-, die Alphabetisierungs- sowie die Einschulungsrate niedriger sei. Weiters sei die Zahl der unterernährten Kinder höher und der Zugang zu sauberem Trinkwasser geringer.

"Soziale Basisdienste" für dei Verringerung der Armut

Die durchschnittliche Bevölkerungswachstumsrate betrage in den betroffenen Gebieten 2,5 Prozent - doppelt so viel in anderen Entwicklungsländern. Das Pro-Kopf-Einkommen hat sich laut UNICEF-Bericht in den neunziger Jahren um nur 0,4 Prozent erhöht (3,6 Prozent in anderen Entwicklungsländern). Die durchschnittliche Kindersterblichkeitsrate sei pro 1.000 Lebendgeburten 162 Todesfälle (69 Todesfälle). Nur 63 Prozent der Kinder gehen zur Grundschule (85 Prozent). Die Analphabetismusrate von Frauen betrage 56 Prozent (31 Prozent).

Investitionen in soziale Basisdienste sind der Grundstein für die Verringerung der Armut, so der Report. Für solche Investitionen werden Umschichtungen nationaler Budgets sowie erhöhte Entwicklungshilfegelder benötigt. Zur Zeit wenden die Regierungen der "am wenigsten entwickelten Länder" mehr Mittel für Landesverteidigung und Schuldenrückzahlung auf als für soziale Basisdienste, hieß es. In Tansania werde neun Mal soviel für Schuldenrückzahlung ausgegeben wie für Gesundheitsversorgung. Bangladesch hingegen habe gezeigt, dass Investitionen in soziale Basisdienste u.a. eine Verringerung der Kindersterblichkeit bewirken.

Kinder sind die Hauptleidtragenden

"Wir sollten durch diese Ergebnisse zwar alarmiert aber nicht überrascht sein", sagte UNICEF-Direktorin Carol Bellamy. "Die Kinder in diesen Ländern sind die Hauptleidtragenden. Ihre Entwicklung wird beeinträchtigt und damit auch die Entwicklung ihrer Länder. Dieser furchtbare Kreislauf muss durchbrochen werden."

Untersucht wurden bei dem Report Angola, Benin, Burkina Faso, Burundi, Zentralafrikanische Republik, Tschad, Demokratische Republik Kongo, Djibouti, Äquatorial Guinea, Eritrea, Äthiopien, Gambia, Guinea, Guinea-Bissau, Lesotho, Liberia, Madagaskar, Malawi, Mali, Mauretanien, Mozambique, Niger, Ruanda, Sierra Leone, Somalia, Sudan, Togo, Uganda, Tansania, Sambia, Haiti, Afghanistan, Bangladesch, Bhutan, Kambodscha, Laos, Myanmar, Nepal, Jemen. Cape Verde, Komoren, Kiribati, Malediven, Samoa, Sao Tome and Principe, Solomon Islands, Tuvalu und Vanuatu.

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