Rechtsanwaltskammer Wien zahlt 2,5 Mill. S ein

16. Mai 2001, 11:33
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Knirsch: "Haben Schicksal unserer jüdischen Kollegen nicht vergessen"

Wien - Die Rechtsanwaltskammer Wien trägt 2,5 Millionen Schilling zum Entschädigungsfonds für die NS-Opfer bei, gab Präsident Peter Knirsch am Mittwoch bekannt. Damit zahlt die mit Abstand größte Rechtsanwaltskammer Österreichs mehr als ein Drittel des Gesamtbetrages der Rechtsanwaltschaft, um den sie seitens der Bundesregierung gebeten wurde. Die Wiener Kammer leiste ihren Beitrag "aus menschlicher und moralischer Solidarität", erklärte Knirsch in einer Aussendung.

Der Präsident betonte, dass der Beitrag der Rechtsanwaltskammer Wien weder als Abstattung einer persönlichen Schuld, noch als Rechtfertigungszahlung für unzulässigen Nutzen aus ehemals unrechtmäßig entzogenem Vermögen zu verstehen sei. Aber die Wiener Kammer wolle "dokumentieren, dass wir das Schicksal unserer jüdischen Kollegen nicht vergessen haben". Im Jahr 1938 wurden allein in Wien insgesamt 1.484 Kollegen aus rassistischen und politischen Gründen aus der Liste der Rechtsanwaltskammer gestrichen. Weitere 358 sind einer solchen Streichung durch die Zurücklegung ihrer Berufstätigkeit zuvorgekommen. Das waren rund zwei Drittel der Wiener Rechtsanwaltschaft, erklärte Knirsch.

Außerdem erkenne man die moralische Verantwortung an, wie sie in der Zielformulierung des Entschädigungsfonds zum Ausdruck komme. Jeder Staat, den die Geschichte in den Nationalsozialismus verstrickte, habe heute eine letztmalige Bereinigung von Forderungen vorzunehmen, so Knirsch. (APA)

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