Nur fünf Prozent Frauen im neuen Parlament

16. Mai 2001, 08:51
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Frauenverbände sind entrüstet - "Eine Schande"

Rom - Nur fünf Prozent der neu gewählten italienischen ParlamentarierInnen sind Frauen. Die Frauenquote in Senat und Abgeordnetenkammer ist im Vergleich zur letzten Legislaturperiode von elf auf fünf Prozent zurückgegangen. "Es ist eine Schande", klagt Alba Dini Martino, Präsidentin der Frauenbewegung Cif, die für sich für eine massive Beteiligung der Frauen an der Politik einsetzt. "Die Parteien haben die Frauen bereits in der Aufstellung der Wahllisten diskriminiert."

Schlechter vertreten ist das weibliche Geschlecht auf europäischer Ebene nur noch in Griechenland. Eine Situation wie in Schweden, wo die Hälfte aller Parlamentarier Frauen sind, scheint für Rom ein unerreichbares Ziel zu sein. "In einem halben Jahrhundert haben die Frauen große Fortschritte gemacht, doch nicht alle Ziele sind erreicht worden. Laut Umfragen fühlen sich nur 18 Prozent der italienischen Frauen nicht diskriminiert", sagte die Cif-Chefin.

Zu den wenigen Frauen, die ihren Sitz in der Abgeordnetenkammer verteidigen konnten, zählt die Enkelin des einstigen faschistischen Diktators Benito Mussolini, Alessandra Mussolini, die als Kandidatin der Mitte-Rechts-Allianz im Wahlkreise Neapel-Ischia kandidiert hatte. Sie hatte die Frauen öfters aufgefordert, "ihre Ketten abzustreifen und für ihre Interessen kämpfen". Auch Frauenministerin Katia Bellillo und Sozialministerin Livia Turco schaffen die Wiederwahl.

Ausnahme ist Unternehmerin Letizia Moratti

Die Mitte-Links-Koalition, die in den vergangenen Jahren versucht hatte, Politikerinnen mehr Raum zu geben, setzte wegen des scharfen Konkurrenzkampfes mit dem Mitte-Rechts-Lager von Silvio Berlusconi im Wahlkampf primär auf prestigeträchtige, vorwiegend männliche Kandidaten. "Noch vor wenigen Jahren hatte die Linke ein stärkeres Bewusstsein für die Bedeutung der Frauen in der Politik. Heute hat sich einiges geändert und Frauen werden von vielen Politikern als Konkurrenz betrachtet", erklärte Sozialministerin Livia Turco, eine der vier Ministerinnen in der Regierung von Giuliano Amato.

In der neuen Regierung von Silvio Berlusconi wird es kaum Frauen geben. Einzige Ausnahme sollte die Unternehmerin Letizia Moratti sein, die als Telekommunikationsministerin im Gespräch ist. Die 52-jährige Mailänderin ist die ehemalige Präsidentin der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalt RAI und Schwägerin des Erdölmagnaten Massimo Moratti. (APA)

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