Neuer Antrag auf Internet-Übertragung von McVeigh-Hinrichtung

16. Mai 2001, 18:47
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Minderjährige sollen nicht zuschauen - FBI-Direktor: Panne "unentschuldbar"

Tampa- Nach der Verschiebung des Hinrichtungstermins von Oklahoma-Attentäter Timothy McVeigh will eine Internet-Firma erneut die Senderechte für eine Live-Übertragung der Exekution auf ihrer Website beantragen. Nach Angaben des Eigentümers vom Dienstag bereiten die Anwälte der Firma Entertainment Network Inc. (ENI) einen entsprechenden Antrag vor. Im April hatte ein US-Bundesrichter in Indianapolis dem in Florida ansässigen Unternehmen die Übertragung untersagt.

Die Firma hatte in ihrem Antrag für die Senderechte vorgeschlagen, mit der Erhebung einer über Kreditkarte zu zahlenden Übertragungsgebühr von 1,95 Dollar (2,22 Euro/30,60 S) sicherzustellen, dass keine Minderjährigen der Hinrichtung zuschauten.

Die ursprünglich für vergangene Woche geplante Hinrichtung des Attentäters war auf den 11. Juni verschoben worden, nachdem bekannt wurde, dass die US-Bundespolizei den Verteidigern McVeighs rund 3.100 Seiten Beweisdokumente vorenthalten hatte. Darin ging es auch um die Ermittlungen zu "John Doe Nummer Zwei". McVeigh selbst hatte nach seiner Verurteilung in Interviews eingestanden, dass er die Bombe legte, die im April 1995 in Oklahoma City 168 Menschen tötete.

FBI-Direktor Freeh nennt Panne im Fall McVeigh "unentschuldbar"

Der scheidende FBI-Direktor Louis Freeh hat die verspätete Übergabe von über 3.000 Seiten an Ermittlungsakten im Fall des Oklahoma-Attentäters Timothy McVeigh als "unentschuldbar" bezeichnet. Es handle sich um einen schweren Fehler, "und hier gibt es nichts zu beschönigen", sagte Freeh am Mittwoch vor dem Bewilligungsausschuss des US-Abgeordnetenhauses. Der Direktor des Bundeskriminalamtes kündigte mehrere Maßnahmen zum verbesserten Management des FBI-Archivs an, um eine Wiederholung derartiger Pannen zu vermeiden.

Die Anhörung mit dem FBI-Chef, der im Juni aus privaten Gründen zurücktreten wird, fand am selben Tag statt, an dem ursprünglich die Hinrichtung vom McVeigh vorgesehen war. Justizminister John Ashcroft verschob die Exekution am vergangenen Freitag auf den 11. Juni, nachdem bekannt geworden war, dass das FBI den Berg von Ermittlungsakten versehentlich weder an die Staatsanwaltschaft noch an die Verteidigung gegeben hatte.

McVeighs Anwälte prüfen die Akten zurzeit und schließen nicht aus, dass ihr Klient nunmehr zuvor freiwillig aufgegebene Berufungsmöglichkeiten doch ausschöpfen wird. Am Mittwoch kamen sie im Bundesgefängnis von Terre Haute (Bundesstaat Indiana) mit McVeigh zusammen, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Vor sechs Jahren waren beim Anschlag auf ein Bundesgebäude in Oklahoma City 168 Menschen ums Leben gekommen. (APA)

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