Schuschnigg-Sohn will Österreich klagen

16. Mai 2001, 00:21
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Wegen in NS-Zeit verschollenem Familienvermögen und um seinen Vater zu rehabilitieren

Wien - Der Sohn des letzten österreichischen Bundeskanzlers vor dem "Anschluss" 1938, Kurt Schuschnigg, will die Republik Österreich klagen. Ihm gehe es nicht nur um das in der NS-Zeit verloren gegangene Familienvermögen, sondern auch um die politische Rehabilitierung seines Vaters und "aller anderen Österreicher, die zwischen 1932 und 1938 in Wien dafür gearbeitet haben, dass Österreich unabhängig bleibt", erklärte er Dienstag im ORF-"report".

Der in den USA lebende Schuschnigg, der wie sein Vater Kurt heißt, möchte, dass im Zuge der Restitutionszahlungen auch über die politischen KZ-Häftlinge geredet wird. Das seinerzeitige Vermögen der Familie wurde gegen Ende des Zweiten Weltkriegs von den Nazi in Kisten verpackt und nach München geschickt. Die 72 Kisten tauchten nie wieder auf, berichtete der "report".

Der umstrittene Ständestaat-Kanzler Schuschnigg - der am 18. November 1977 in Tirol starb - hatte nach der Ermordung Engelbert Dollfuß' durch illegale Nationalsozialisten am 29. Juli 1934 das Amt des Bundeskanzlers übernommen. Am Tag vor dem Einmarsch deutscher Truppen am 12. März 1938 trat er zurück, wurde kurz danach von der Gestapo verhaftet und kam in der Folge in mehrere KZ. 1945 wurde er von US-Soldaten aus einem KZ in Südtirol befreit und ging dann in die USA.

Sein Sohn ist überzeugt, dass sein Vater ein "Demokrat" war. Angesprochen auf das Anhaltelager Wöllersdorf, meinte er, dass es auch in einer Demokratie wie Amerika politische Häftlinge gebe, "Leute, die Bomben legen aus politischen Überzeugungen und dann eingesperrt werden". Die seien halt im Ständestaat nicht in reguläre Gefängnisse gekommen, sondern in ein Lager. Einen großen Fehler habe sein Vater, der dies selbst immer bedauert habe, aber gemacht: Nach dem Dollfuß-Mord keine Wahlen abgehalten zu haben. (APA)

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    Der "Demokrat" Kurt Schuschnigg auf einem zeitgenössischen Plakat

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