Tumult in der Knesset

15. Mai 2001, 19:56
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Arabischer Abgeordneter bezeichnet Israels Armeechef als "Kindermörder und Faschist" - Israelische Parlamentarier stürmten Podium

Jerusalem - Der israelisch-arabische Abgeordnete Ahmed Tibi hat am Dienstag den israelischen Generalstabschef Shaul Mofaz im Parlament von Jerusalem einen "Kindermörder und Faschisten" genannt und damit für einen Skandal gesorgt. Bei einer Debatte über die Bewaffnung der Streitkräfte ging Tibi, ein früherer Berater von Palästinenser-Präsident Yasser Arafat, zum Podium und warf Mofaz unter anderem vor, für den Tod von fünf palästinensischen Polizisten verantwortlich zu sein, die von Soldaten am Montagmorgen möglicherweise "versehentlich" erschossen worden waren.

Die Worte des arabischen Abgeordneten erregten jüdische Abgeordnete derart, dass sie das Podium stürmten und Tibi am Weiterreden hinderten. Der Parlamentspräsident unterbrach die Sitzung zunächst für fünf Minuten. Als sich Tibi anschließend weigerte, seine Anschuldigungen zurückzunehmen, wurde er von Saalwächtern aus der Knesset "entfernt", berichtete der israelische Rundfunk. Tibi hatte zuvor während einer palästinensischen Demonstration zum so genannten Nakba (Katastrophen)-Tag durch Tränengas leichte Verätzungen erlitten.

Generalstabschef Mofaz hatte am Dienstag zugegeben, dass sich die Armee bei der Erschießung von fünf palästinensischen Polizisten am Montagmorgen bei Beitunia nahe Ramallah im Westjordanland möglicherweise "geirrt" haben könnte. Er kündigte eine Untersuchung an. Seit Beginn des Palästinenseraufstands vor fast acht Monaten sind mehr als 470 Palästinenser bei Zusammenstößen mit der israelischen Armee getötet worden, darunter etwa 150 Kinder und Jugendliche. (APA/dpa)

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    Ahmed Tibi

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