Elektronische Nasen sind nie verschnupft

16. Mai 2001, 14:09
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Olfaktorische "ScienceWeek" in Linz

Linz - Auch wenn der Mensch eher auf visuelle Reize reagiert, der Geruchssinn darf nie unterschätzt werden. An ihn erinnert wird man meist, wenn man etwa neben einem Deodorantverweigerer in der Straßenbahn steht. Auch in der Wirtschaft kommt Düften eine wachsende Bedeutung zu, ein Gebiet, mit dem sich das Institut für Verfahrenstechnik der Universität Linz befasst. Im Rahmen der "ScienceWeek" werden dort derzeit "elektronische Nasen" präsentiert.

Designmäßig ist ein "Gassensorarray", so die korrekte Bezeichnung, zwar keine Offenbarung, besteht er doch nur aus einem kleinen blauen Metallkasten. Die Anwendungsmöglichkeiten des Gerätes sind aber vielfältig, wie Thomas Raab, Assistent am Institut, erklärt. "Neben dem Einsatz in der Membran- und Kaltplasmatechnologie beschäftigen wir uns hier besonders mit der Nutzbarkeit für Unternehmen", erklärt er.

Denn die elektronische Nase kann Düfte vergleichen. Zehn Sensoren analysieren das zugeführte Gas und ändern entsprechend der Zusammensetzung ihren elektrischen Widerstand. Das Messergebnis kann dann mit standardisierten Resultaten verglichen werden.

So ist es beispielsweise möglich, Biersorten derselben Marke danach zu unterscheiden, wo sie gebraut wurden. Im Vergleich zu menschlichen Testern haben die Maschinen nämlich den Vorteil, nie verschnupft zu sein.

Es gibt allerdings noch Probleme mit der praktischen Nutzung, gesteht Raab. Denn die Nase kann zwar guten von schlechtem Hopfen unterscheiden, sollte aber zufälligerweise eine Ladung Löwenzahnblätter dasselbe Geruchsspektrum wie Hopfen aufweisen, würde die Maschine die Probe passieren lassen - was dem Biergenuss eher abträglich wäre. (moe, (DER STANDARD, Print-Ausgabe 16. 5. 2001)

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