Mehr Bergstürze durch Klimaerwärmung

15. Mai 2001, 20:54
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Boku-Studie belegt auch ökonomische Auswirkungen

Salzburg - Dass sich die USA vom Klimaschutz und dem Kyoto-Protokoll zur Reduktion der Schadstoffemissionen verabschiedet haben, lässt auch Salzburg im wahrsten Sinn des Wortes nicht kalt. Umweltlandesrat Othmar Raus (SP) warnte am Dienstag vor den Folgen des rasanten Temperaturanstieges.

Nach einer jüngsten Studie der Universität für Bodenkultur (Boku) hat die Erwärmung neben ökologischen vor allem ökonomische Auswirkungen. Nehmen die Durchschnittstemperaturen weiter zu - in den letzten 50 Jahren um zirka ein Grad Celsius -, bedeute dies für Wintersportorte bis Lagen von etwa 1500 Meter Seehöhe das wirtschaftliche Ende. Bad Ischl oder Zell am See würden in der Zeit März bis Mai kaum noch Schneetage aufweisen. Eine Kompensation durch Schneekanonen wäre nicht mehr möglich. Eine weitere Folge der Erwärmung könnte laut Boku-Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb die Ausbreitung in Europa bisher nicht vorhandener Krankheiten sein.

Die Forstwirtschaft wiederum müsse um ihre Fichtenbestände in den Voralpen bangen. Nicht zuletzt seien durch das Auftauen der Permafrostböden verstärkt Murenabgänge zu befürchten, die Siedlungsgebiete bedrohen.

Dies prognostiziert auch der Salzburger Geograph Horst Ibetsberger. Der Spezialist für Bergstürze warnt, dass durch das Abschmelzen der Kluft- eiskörper im Inneren der Gebirge "der Zement der Berge" verloren gehe und sich in den Alpen die "Massenbewegungen" häufen.

Bei einer weiteren Erwärmung können die Eiskörper im Inneren der Berge von jetzt 2500 Meter bis zur Dreitausendergrenze abschmelzen. Der Bergsturz 1993, als von der Bischofsmütze im Gosaukamm rund 100.000 Kubikmeter Felsenmaterial ins Tal donnerten, sei nur ein Vorgeschmack auf Kommendes gewesen. (neu, DER STANDARD, Print-Ausgabe 16. 5. 2001)

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