Epstein als "Wunschpalais"

15. Mai 2001, 20:48
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Scholz und Häupl forcieren Standort für "Haus der Geschichte"

Wien - Dem Wunsche liegt die Hoffnung so nah. So hofft Kurt Scholz, dass sein Wunsch, ein "Haus der Geschichte" im Palais Epstein eröffnen zu können, bald in Erfüllung geht. Und der langjährige Stadtschulratspräsident, der von Bürgermeister Michael Häupl bei der Vorstellung der neuen Stadtregierung überraschend als Restitutionsbeauftragter Wiens präsentiert worden war, findet es auch "seltsam", dass die Republik die "Selbstdarstellung" ihrer Geschichte in so einem Haus bis heute nicht geschafft habe. Häupl outete sich am Dienstag als Mitstreiter für das Epstein.

Der Weg dorthin ist aber durch einen einstimmigen Nationalratsbeschluss blockiert, der für das Palais eine ganz andere Bestimmung vorsieht: nämlich, es für die Parlamentsarbeit zu nützen, nachdem der dort jahrelang untergebracht gewesene Stadtschulrat ausgezogen ist.

Scholz hofft für die Erfüllung seines Wunsches, dass die bereits "im Privaten" zugesagte Unterstützung einzelner Parlamentarier für das Palais Epstein sich auch "politisch" niederschlage. Er wolle nun mit allen Klubobleuten der Parlamentsparteien seine Pläne besprechen. Es sei möglich, das "Haus der Geschichte" in vier Jahren zu realisieren, so Scholz, idealerweise rechtzeitig zum fünfzigsten Jahrestag der Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrags am 15. Mai 2005.

Neben dem Palais Epstein werden auch immer wieder andere größere Innenstadtgebäude für das Geschichtshaus genannt. So gebe es drei Alternativstandorte, erklärte Häupl. Einer davon sogar direkt angrenzend an das begehrte Palais.

Bürgermeister Häupl gestand gestern abermals Fehler "aller Parteien, auch der Sozialdemokratie", im Zusammenhang mit der Rückstellung geraubten jüdischen Eigentums ein, es habe zu lange gedauert. Jene 35 Millionen Dollar Anteil der Stadt Wien am Versöhnungsfonds des Bundes würden in einer der nächsten Gemeinderatssitzungen beschlossen werden.

Konkrete Projekte

Neben dem "Wunschprogramm" bekräftigte Scholz jene Projekte, die bereits vor einigen Wochen angekündigt wurden: In "sechs bis zwölf Monaten" gedenkt er eine Lösung für den jüdischen Hakoah-Sportplatz zu erreichen. Dieser Sportplatz soll im Augarten errichtet werden, weil es dort zwei jüdische Schulen gibt. Geplant ist, nach den Plänen der Israelitischen Kultusgemeinde, die Anlage großteils unterirdisch zu errichten. Weil hier Anrainerproteste zu erwarten seien, will Scholz als "Mediator" fungieren. Auch Denkmalschützer und Eigentümer des Parks seien einzubeziehen.

Weiters will Scholz sich dem Erhalt jüdischer Friedhöfe in Wien widmen - denn das "Niveau einer Kulturnation werde auch am Zustand ihrer Friedhöfe gemessen". Vor allem am Währinger Friedhof lägen wertvolle Gräber bedeutender Wiener Familien.

In seiner wichtigsten Aufgabe, der Rückstellung jüdischen Vermögens an seine rechtmäßigen Besitzer, sei vorige Woche eine wertvolle Porzellansammlung aus dem Kunsthistorischen Museum an die Eigner in der Schweiz rückerstattet worden.

Schon am Freitag bricht Scholz nach Israel auf, um mit Vertretern österreichischer Emigrantinnen und Emigranten zusammenzutreffen. (aw, DER STANDARD, Print-Ausgabe 16. 5. 2001)

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