Keine PR im Elfenbeinturm

15. Mai 2001, 19:47
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Öffentlichkeitsarbeit: das vernachlässigte Uni-Thema

Wien - Nur an dritter Stelle steht das Wort "Öffentlichkeitsarbeit" im Namen der dafür zuständigen Universitätsstelle: Eva Kößlbacher vom "Zentrum für Forschungsförderung, Drittmittel und Öffentlichkeitsarbeit" findet diese Reihenfolge doch recht bezeichnend: Zu wenig Personal für Uni-PR (sechs Angestellte), zu wenig Geld, um die Arbeit an den Instituten von hier aus wirklich bekannt zu machen. Aber auch zu wenig Bereitschaft der Wissenschafter und Lehrenden, aus dem "Elfenbeinturm" des Forscherdaseins zu gehen. Vor allem nach der Uni-Reform und der Loslösung vom Wissenschaftsministerium sei das notwendig. Denn letztlich könne man nur so Förderungen für weitere Projekte akquirieren.

Auch Falko Daim, Vorstand des interdisziplinären Forschungsinstituts für Archäologie, der seit vier Jahren die Öffentlichkeitsarbeit an der Geisteswissenschaft betreut, kann sich da nur wundern: "In manchen Uni-Stellen schaut man heute noch erstaunt, wenn es heißt: Ich habe hier ein Produkt und das muss ich verkaufen." Daims Aktivitäten - er gibt unter anderem das Jahrbuch "Projekte, Themen, Kontakte" heraus - seien ein Beispiel für funktionierende PR-Arbeit, lobt Kößlbacher. Schränkt aber ein: "Es sind nur Einzelinitiativen. Es kommt auf die Personen an. Ob sie voll hinter dem stehen, was sie machen."

Daim selbst sieht andere Gründe: "PR-Aktivitäten hängen davon ab, ob ein Institut überschaubar ist, oder von Studierenden überlaufen wie etwa Romanistik, Anglistik oder Publizistik." An diesen Instituten fehle es an Ressourcen, wie auch Wolfgang Langenbucher, Vorstand der Publizistik, zu berichten weiß. Mit 7186 Inskribierten habe man "absolut keine Möglichkeit", sich noch um Fragen der Öffentlichkeitsarbeit professionell zu kümmern. "Mitunter dilettierten wir so vor uns hin. Wir haben aber jetzt gar keine Außenaktivitäten mehr, so lange wir das nicht ordentlich machen können," bestimmt Langenbucher.

Eine Besserung der Situation, so Kößlbacher, ist nicht in Sicht: "Neue Stellen im Zentrum sind nicht zu erwarten." Zumal Rektor Georg Winckler erst im vergangenen Jahr eine personelle Aufstockung ermöglicht habe. Mehr und effizientere Öffentlichkeitsarbeit sei dennoch notwendig. "Die Uni Wien muss Werbung für Lehre und Forschung machen." Sonst wird sie einmal wie die Uni Leoben zu wenig Studenten haben - auch angesichts der im Herbst kommenden Studiengebühr von 5000 Schilling pro Semester. (DerStandard,Print-Ausgabe,16.5.2001)

von Peter Illetschko
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