Euroteam, eine Nostalgie

15. Mai 2001, 21:51
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Vielleicht wird man sich an den Euroteam-Untersuchungsausschuss einmal als eine jener nostalgischen Veranstaltungen erinnern, die dank fortschrittlicher Mediengesetze aus der Mode gekommen sein werden. Ein politischer Eurovisions-Songcontest sozusagen, der wenig geholfen und niemandem geschadet hat. Vielleicht wird dann sogar etwas Wehmut aufkommen und Sehnsucht nach einer Zeit, die noch dem altmodischen Irrglauben anhing, Politik gehöre ab und zu kontrolliert, das Kontrollergebnis hin und wieder veröffentlicht.

Man wird sich zu trösten wissen. Etwa mit der Erinnerung, dass bei solchen Unternehmen meistens eh nix herausgekommen ist. Dass sich die Politiker abgeputzt und nie etwas gewusst haben von den Umtriebigkeiten ihrer engsten Mitarbeiter. Dass die Ertappten mit einer einzigen Pose in der Öffentlichkeit ihr Auslangen fanden, nämlich mit der des jeweils auf den anderen weisenden ausgestreckten Zeigefingers. Nur nebenbei: Im Euroteam, das sich, wie die Vorwürfe lauten, Aufträge aus Ministerien und Bundeskanzleramt im Ausmaß von rund hundert Millionen Schilling zugeschanzt haben soll, spielen nur noch drei Personen mit - sein Gründer Lukas Stuhlpfarrer mit Ehefrau Astrid sowie Geschäftsführer Franz Bernthaler. Alle anderen haben sich vom Acker gemacht.

Über solche Details zu lesen und zu berichten wird uns erspart bleiben. Weil es teuer wird, aus Akten oder Rechnungshofberichten zu zitieren. Andererseits, das wird ja auch nicht mehr nötig sein. Weil es nur gibt, was wir wissen, wird es nicht mehr geben: Durchstechereien, Verschwendung von Steuergeldern, illegale Parteifinanzierung, Spitzelskandale, Korruptionsaffären. Es wird eine schöne Zeit, und der Letzte, der geht, löscht bitte das Licht aus.
(DER STANDARD, Printausgabe, 16.5.2001)

von Samo Kobenter
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