Debatte um Prüfer der Bank Burgenland

15. Mai 2001, 19:39
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Vorstand erwägt Klage trotz niedriger Haftungsgrenzen

Wien - Der STANDARD-Bericht über den Widerstand der Kammer der Wirtschaftstreuhänder gegen die geplante Haftungserweiterung für Bank- und Wirtschaftsprüfer hat die neue Führung der Bank Burgenland auf den Plan gerufen. Vorstand und Aufsichtsrat sehen nämlich die Verantwortung für das Hom-Rusch-Fiasko zum Teil auch bei den damaligen Prüfern Europatreuhand und Deloitte & Touche, die trotz offensichtlicher Kreditrisiken durch die Milliardenausleihungen des Betrügers Alexander Thom alias Alejandro Hom-Rusch der Bank stets ein tadelloses Testat ausgestellt haben.

Einige Mitglieder des Aufsichtsrates wollen nun die Wirtschaftsprüfer klagen und die derzeit gültige Haftungsgrenze von fünf Mio. S (363.364 EURO) beim Verfassungsgerichtshof anfechten. "Politisch wird kein Weg vorbei an einer Klage gehen", sagt ein Aufsichtsrat und verweist darauf, dass sich der frühere Aufsichtsrat stets auf die Persilscheine der beiden renommierten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften verlassen hat. Geschäftsführer der Europatreuhand/Ernst & Young ist niemand anderer als Alfred Brogyanyi, der als Vizepräsident der Treuhänderkammer den Kampf gegen die neuen Haftungsregeln führt. Der Kollaps der Bank Burgenland hat das Land rund fünf Mrd. S gekostet.

Der Aufsichtsratspräsident, Christoph Herbst, hat bei zwei Wirtschaftsjuristen ein Gutachten in Auftrag gegeben, in dem die Chancen einer solchen Klage gegen die Prüfer geprüft werden sollen. Bei einem positiven Ergebnis hoffe er auf einen außergerichtlichen Vergleich mit den beiden Gesellschaften. "Niemand soll auf Teufel komm raus geklagt werden", sagt er dem STANDARD.

Unbegrenzte Haftung

Das Justizministerium hat in seinem Entwurf zum Finanzaufsichtsgesetz die Haftung der Prüfer kräftig angehoben und bei "grober Fahrlässigkeit" eine unbegrenzte Haftung vorgeschlagen. Dagegen laufen nicht nur die Treuhänder Sturm. Auch die Bundeskreditsektion in der Wirtschaftskammer hat sich, anders als die Rechtsabteilung der WKÖ, in ihrer Stellungnahme gegen eine solche unbegrenzte Haftung ausgesprochen, weil sie nicht versicherbar sei und zu "Wettbewerbsnachteilen österreichischer Kreditinstitute im europäischen Vergleich führen kann". Die Treuhänder wollen nämlich in diesem Fall nur noch eingeschränkte Testate für Jahresabschlüsse ausstellen, was den Wert einer Prüfung mindern würde.

Der neue Bank-Burgenland-Chef Wolfgang Ulrich schlägt allerdings angesichts der Erfahrung seiner Bank einen anderen Weg vor: Bankprüfer sollten in Zukunft die Bücher nicht nur stichprobenhaft, sondern komplett prüfen. "Für ein Testat gehören die Forderungen wirklich angeschaut", sagt er dem STANDARD. Die zusätzlichen Kosten müssten in Kauf genommen werden.

Bankexperten warnen allerdings davor, dass solche Komplettprüfungen "extrem teuer und zeitintensiv" wären. Dies würde die Institute ebenso belasten wie eingeschränkte Testate. (Eric Frey, DER STANDARD, Printausgabe 16.5.2001)

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