Mehr Zigaretten vom Benzingreißler

15. Mai 2001, 19:24
posten

RegioPlan-Studie: Zahl der Tankstellen sinkt weiter, die mit modernem Shop bleiben übrig

Wien - Für die Trafikanten sind die Handelsaktivitäten von OMV, BP, Shell, Aral und Co zu einer ernst zu nehmenden Konkurrenz geworden. Vier Prozent der Rauchwaren, die in Österreich verkauft werden, gehen über den Ladentisch der Benzingreißler. Die Tendenz laut dem Marktforschungsunternehmen RegioPlan: steigend.

Im Jahr 2000 wurden knapp 6,2 Mrd. S (450 Mio. EURO) in Tankstellenshops ausgegeben. Dabei sind die Umsätze der Gastronomie von RegioPlan nicht erhoben worden. Die stärksten Segmente sind nach wie vor Getränke und Lebensmittel, der Zigarettenbereich legt aber ständig zu und ist bereits umsatzmäßig an dritter Stelle zu finden.

In fünf Jahren werde jede Tankstelle in Österreich auch einen Shop haben, so RegioPlan in einer Studie; mit der Einschränkung: "einen Shop, der dieser Bezeichnung auch würdig ist". Das bedeute aber nicht automatisch Wachstum: Denn die Zahl der Tankstellen werde von derzeit 3000 auf 2500 sinken. Neue Standorte seien selten, eher werden alte renoviert.

Entwarnung bei Supermärkten

Für die traditionellen Supermärkte gibt RegioPlan Entwarnung: Im Jahr 2000 nahmen die Tankstellen dem stationären Einzelhandel nicht einmal drei Prozent des Umsatzes weg. Im Gegenteil: Die Zuwachsraten des Einzelhandels waren sogar geringfügig höher als jene der Tankstellenshops, so die Studie.

Die Ergebnisse der RegioPlan-Studie unterscheiden sich von jenen einer Untersuchung von ACNielsen und der Unternehmensberatung Markant. Diese ergab, dass im Vorjahr insgesamt 5,5 Mrd. S umgesetzt wurden, ein Wachstum von zehn Prozent gegenüber 1999. Man erkennt aber einen Rückgang der Zahl der Läden. Bei Markant erklärt man dies damit, dass vor allem kleine Shops geschlossen werden, größere nur dort geplant werden, wo sich auch eine Tankstelle weiter rentiert. Wegen der unterschiedlichen Erhebungsmethoden sei auch die erhobene Marktgröße nicht einheitlich.

Tankstellenshops sind derzeit auf 80 Quadratmeter Verkaufsfläche limitiert, auch das Sortiment ist eingeschränkt, Öffnen rund um die Uhr aber erlaubt. Der Wirtschaftsminister wollte mit der Ladenschlussliberalisierung auch die Sortimentsbeschränkung aufheben. Aus der Liberalisierung dürfte derzeit aber nichts werden. Die Mineralölmultis forderten wiederholt, die Limits aufzuheben. Dadurch seien niedrigere Spritpreise möglich. Denn die Shops subventionieren schon jetzt den oft defizitären Treibstoffhandel. (szem, DER STANDARD, Printausgabe 16.5.2001)

Share if you care.