Finanzminister kritisiert Staatsfirmen

15. Mai 2001, 18:37
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Rekorde sind zum Brechen da

Wien - Im vergangenen Jahr eilten die noch staatlichen Unternehmen von Rekord zu Rekord. Ob Umsatz, Ergebnis oder Dividenden: So ziemlich überall und durchgehend zeigte der Pfeil nach oben. Und das Wort "Rekordergebnis" schaffte den Einzug ins Buch der Unworte des Jahres. Allein einer kann sich daran nicht erfreuen: Finanzminister Karl-Heinz Grasser. "Ich bin nicht zufrieden mit den Unternehmensergebnissen, die Performance muss sich wesentlich verbessern. Auch ein Rekordergebnis ist massiv steigerbar."

Der Grund der Grasserschen Unzufriedenheit: "Die Dividenden, die an die ÖIAG abgeführt wurden, sind nicht einmal ein Mindestmaß dessen, was in mir Zufriedenheit erzeugen würde." Das soll die Vorstände der von Erfolgen gekrönten Firmen wie VA Stahl, Austria Tabak, Austrian Airlines, OMV oder Böhler-Uddeholm zu neuen Zielen anspornen.

Abstriche

Und der Kapitalmarkt soll durch die Privatisierungen einiger der Firmen zu nicht gekannten Höhenflügen ansetzen. Da will Grasser seinen Vorschlag, eine Austria Tabak an den Bieter zu verkaufen, der sich verpflichtet, das Tabakunternehmen binnen drei Jahren wieder an die Börse in Wien zu bringen, analysiert wissen: "Ich weiß, es ist eine Erschwernis für die Privatisierung, aber ich habe auch den heimischen Kapitalmarkt vor Augen." Bei einem solchen Deal müsste der Finanzminister Abstriche beim Verkaufspreis hinnehmen.

Dafür zeigt Grasser aber Fantasie, wo er sonst noch Gelder für seinen Säckel auftreiben und gleichzeitig der Börse frischen Wind einhauchen könnte: In der Bundesimmobiliengesellschaft liegen 30 Mrd. S (2,2 Mrd. EURO). Da sei eine IPO-Strategie andenkbar; dann könnte er jedem Österreicher die Immobilien als Aktie anbieten. (este, DER STANDARD, Printausgabe 16.5.2001)

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