Post-Aufsichtsrat wird von der ÖIAG ausgetauscht

16. Mai 2001, 12:17
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Bawag-Chef Elsner: Ob bei AUA-Räten Konsens herrscht, wird sich in der Sitzung zeigen

Wien - Das von der ÖIAG-Spitze betriebene Austauschprogramm für Aufsichtsräte und Vorstände ihrer Beteiligungen läuft weiter. Als Nächstes ist die gelbe Post dran, bei deren Hauptversammlung am Freitag Veränderungen im Aufsichtsrat auf der Tagesordnung stehen. Bei der Post kann die ÖIAG zumindest zwei Aufsichtsräte frei nachbesetzen. Ex-ÖIAG-Chef Rudolf Streicher soll durch seinen designierten Nachfolger Peter Michaelis ersetzt werden. Auf Wilhelmine Goldmann, die in den Postbus-Chefsessel wechselte, soll P.S.K.-Vorstand Karl Stoss folgen, heißt es in ÖIAG-Kreisen. Blaue Briefe bekommen dem Vernehmen nach Ex-Post-Chef Josef Sindelka und Günter Hillebrand vom Forschungszentrum Seiberdorf. Unterdessen gärt es bei den Betriebsräten von AUA, Postbussen und der OMV ob der Veränderungen. Sie drohen mit einem „kreativen Arbeitskampf“, sollte die ÖIAG weiterhin versuchen, mit ihren Entscheidungen die Unternehmenskultur zu zerstören. Angestrebt werden Gemeinschaftsaktionen und keine Einzelaktionen.

Verärgert

Verärgert sind auch die Fluglotsen, die laut internationalen Abkommen nur bis 60 Jahre arbeiten dürfen, laut heimischen Gesetzen aber bis 61,5 Jahre durchhalten müssen. Was die AUA-Belegschaftsvertreter besonders erbost, ist das Verhalten von ÖIAG-Chef Johannes Ditz, der den Betriebsräten die geplante Ablöse des amtierenden Vorstandsduos Herbert Bammer und Mario Rehulka erst wenige Minuten vor der Pressekonferenz kundtat.

Aufsichtsrat

Unterstützung bekamen sie am Dienstag von Bawag-Chef und AUA-Aufsichtsrat Helmut Elsner: „Das zuständige Gremium für Vorstandsangelegenheiten ist der Aufsichtsrat. Die nächste Sitzung findet am 27. Juni statt. Ob dort Konsens herrscht, wird sich in der Sitzung zeigen“, sagte Elsner. Ditz hat weder für die Ablöse noch für die Neuausschreibung der AUA-Vorstände den dafür notwendigen Aufsichtsratsbeschluss. Sollten drei der neun Kapitalvertreter im AUA-Aufsichtsrat eventuell verhindert sein und nicht an der Sitzung am 27. Juni teilnehmen können, wäre das Gremium nicht beschlussfähig, sagte ein Belegschaftsvertreter. Speziell der in den USA tätige Karlheinz Muhr und die in Deutschland lebende Rechtsanwältin Martine Dornier-Tiefenthaler hätten es bisher nicht der Mühe Wert gefunden, an einer Aufsichtsratssitzung teilzunehmen.

Vorreiter

Vorreiter werden bei den Aufständen die Postbus-Mitarbeiter sein, heißt es in Gewerkschaftskreisen. Ihnen sollen wie berichtet die Gehälter gekürzt werden. „Wenn auch nur einem Mitarbeiter ein Schilling weggenommen wird, dann blockieren wir mit unseren Bussen die Kantgasse (Sitz der Österreichischen Industrieholding ÖIAG, Anm.)“, droht der oberste Postbus-Betriebsrat Robert Wurm. (Claudia Ruff, Luise Ungerboeck/DER STANDARD, Printausgabe 16.5.2001)

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