Ukrainische Justiz zieht Schlussstrich unter Journalisten-Mord

15. Mai 2001, 18:35
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...und macht es sich offenbar einfach: keine politischen Hintergründe, Täter sind tot

Kiew - Die Justiz in der Ukraine hat den Mord an dem oppositionellen Journalisten Georgi Gongadse am Dienstag überraschend für aufgeklärt erklärt. Gongadse, der am 16. September 2000 verschwunden war, sei einem Verbrechen ohne politische Hintergründe zum Opfer gefallen, sagte Innenminister Juri Smirnow in Kiew. Die Mörder Gongadses seien selbst ermordet worden. "Die zwei Täter sind tot, und Hintermänner gab es nicht, denn es ging um ein spontanes Verbrechen", erklärte Smirnow nach Angaben der Agentur Interfax. Die Mörder der Mörder Gongadses seien festgenommen worden. Nähere Details könne er nicht nennen.

Tonbänder belasten Kutschma

Das Verschwinden Gongadses, des Herausgebers der regierungskritischen Internet-Zeitung "Ukrainska Prawda", hatte die Ukraine in eine schwere politische Krise gestürzt. Tonbänder wurden veröffentlicht, die angeblich eine Verwicklung von Präsident Leonid Kutschma in die Affäre belegten.

Kutschma selbst erklärte einen politischen Mord an Gongadse für nicht ausgeschlossen. Im November letzten Jahres wurde bei Kiew ein enthaupteter Leichnam gefunden, bei dem umstritten ist, ob es sich um den verschwundenen Journalisten handelt. (APA/dpa)

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