Wahlverlierer schlittern ins Debakel

15. Mai 2001, 16:51
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Nach den Verlusten von Rutellis Mitte-Links- Bündnis drohen auch Stichwahlen in mehreren Metropolen

Rom - Nach den starken Stimmenverlusten bei den italienischen Parlamentswahlen am Sonntag muss die Partei der Linksdemokraten (DS), die stärkste Gruppierung im Mitte-Links-Block "Ulivo" (Ölbaum) eine weitere Enttäuschung hinnehmen. DS-Chef Walter Veltroni, Spitzenkandidat der Linken bei den Bürgermeisterwahlen in Rom, schaffte es wider Erwarten nicht, am Sonntag beim ersten Wahldurchgang den Sessel des Stadtoberhaupts der Ewigen Stadt zu erobern. Der 47-jährige Veltroni, gebürtiger Römer, erhielt im Wahlduell gegen den ehemaligen Sprecher von Silvio Berlusconi, Antonio Tajani, 48,3 Prozent der Stimmen, sein Gegner 45,2 Prozent. Hätte Veltroni 50 Prozent der Stimmen erobert, wäre ihm eine Stichwahl am 27. Mai erspart geblieben.

Ausgang in Rom ungewiss

Der Ausgang der Stichwahl in Rom ist alles andere als entschieden. Fraglich ist, ob die Wähler, die beim ersten Wahldurchgang für den Chef der gemäßigten Bewegung "Europäische Demokratie", Sergio D'Antoni, und die Kandidaten anderer Parteien gewählt hatten, Veltroni oder Tajani bevorzugen werden. Fest steht, dass die beiden Spitzenkandidaten in Rom die nächsten zwei Wochen voll ausnutzen müssen, um ihre Wahlkampagne fortzusetzen. Um Veltroni zu unterstützen, hatte sich vor zehn Tagen auch der Wiener Bürgermeister Michael Häupl (S) eingesetzt, der mit seinem Pariser Kollegen Bertrand Delanoe den DS-Chef in Rom besucht hatte.

Der Wahlkampf in Mailand verlief hingegen reibungslos für den amtierenden Bürgermeister Gabriele Albertini, Spitzenvertreter der Forza Italia, der nun weitere vier Jahre die Führung der lombardischen Industriemetropole übernimmt. Albertini erhielt 57,3 Prozent der Stimmen, fast doppelt so viel als sein Gegner, der Kandidat der Mitte-Links-Allianz, Sandro Antoniazzi, der sich mit 30,3 Prozent der Stimmen begnügen musste. Der Starermittler der Anti-Korruptionsoffensive "Saubere Hände", Antonio Di Pietro, der dank seiner aufsehenserregenden Untersuchungen zwischen 1992 und 1994 gerade in Mailand internationales Prestige errungen hatte, erlitt mit nur knapp 5,4 Prozent der Stimmen ein Debakel. Er hatte als Kandidat seiner im Jahr 2000 gegründeten Zentrumsbewegung "Italien der Werte" am Wahlduell teilgenommen.

Stichwahl in Neapel

Zu einer Stichwahl wird es außer in Rom auch in Neapel zwischen der Ex-Innenministerin Rosa Russo Jervolino und dem Vertreter der rechten Nationalallianz (AN), Antonio Martusciello, kommen. Auch Jervolino, Politikerin der katholischen Volkspartei, hatte in ihrer Heimatstadt auf einen Wahlsieg beim ersten Wahldurchgang gehofft. Sie muss sich jedoch mit 47,8 Prozent der Stimmen begnügen. Ihr Gegner folgt ihr auf den Fersen mit 46,4 Prozent.

Auch die Hauptstadt der Autogruppe Fiat, Turin, macht der Linken zu schaffen. Der Kandidat Sergio Chiamparino liegt mit 46 Prozent der Stimmen zwar vorn im Rennen, doch die Konkurrenz des Mitte-Rechts-Bewerbers Roberto Rosso (43 Prozent) könnte in der zweiten Runde gefährlich werden. Zu Stichwahlen kommt es in weiteren größeren Städten wie Siena, Rimini, Reggio Calabria und Grosseto. (APA)

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