Malloth-Prozess: Zeuge beschuldigt Angeklagten des Mordes

15. Mai 2001, 23:54
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SS-Mann soll Gefangenen im Gestapo-Gefängnis erschossen haben

München - Der mutmaßliche NS-Verbrecher Anton Malloth (89) ist von einem 76 Jahre alten Zeugen des Mordes an einem früheren Gestapo-Häftling bezichtigt worden. Im Münchner Prozess sagte der Pensionist aus Prag am Dienstag, er habe mit eigenen Augen gesehen, wie Malloth 1943 einen Gefangenen des früheren Gestapo-Gefängnisses "Kleine Festung Theresienstadt" erschossen hat.

Der auf Krücken in den Gerichtssaal gekommene Zeuge hatte als 16-Jähriger mehrmals auf umliegenden Feldern des Gestapogefängnisses gearbeitet. Im September 1943 habe er bei Feldarbeiten Geschrei gehört und von einer Anhöhe aus einen Vorfall beobachtet, der sich in einer Entfernung von rund 30 bis 45 Meter ereignete.

Malloth habe zunächst einen Häftling mit einem Stock auf den Kopf geschlagen. Als sich dieser taumelnd mit den Händen zu schützen suchte, habe Malloth eine Schusswaffe gezogen und zwei bis drei Mal auf den Mann geschossen. Dieser sei daraufhin gefallen und habe kein Lebenszeichen mehr von sich gegeben. Später habe er gehört, dass der Häftling versucht habe, einen Karfiol für den Rückweg zu verstecken.

Der 76-Jährige sagte im Zeugenstand, Malloth sei als "sehr brutal mit einem höhnischen Lächeln" bekannt gewesen. Er habe den Angeklagten anhand von Fotografien hundertprozentig identifizieren können und sei sich sicher, dass der im Gerichtssaal anwesende Malloth der Täter der von ihm beobachteten Häftlings-Erschießung von 1943 sei.

Der in Innsbruck geborene Malloth ist wegen dreifachen Mordes und eines Mordversuchs in den Jahren 1943 bis 1945 angeklagt. Bei den Opfern handelte es sich um Häftlinge in dem Gestapogefängnis, in dem Malloth von 1940 bis 1945 Aufseher war. Nach Kriegsende war der Angeklagte in Südtirol untergetaucht und lebte später in einem Altenheim bei München. (APA/dpa/AP)

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