McVeigh weist Verschwörungstheorien bei Oklahoma-Anschlag zurück

15. Mai 2001, 15:36
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Angebliche Verbindung zu weißen Rassisten dementiert

Houston - Der Oklahoma-Attentäter Timothy McVeigh hat bekräftigt, dass er den Sprengstoffanschlag von 1995 allein ausgeführt hat. Er reagierte damit in einem Brief an die texanische Zeitung "Houston Chronicle" auf Verschwörungstheorien unter anderem seines ehemaligen Anwalts Stephen Jones, wonach er den Anschlag zusammen mit einer Gruppe weißer Rassisten geplant habe.

Der Brief, über den die Zeitung am Dienstag berichtete, trägt das Datum 2. Mai. Er wurde damit vor der Verschiebung der ursprünglich für diesen Mittwoch geplanten Hinrichtung geschrieben. Das Justizministerium hatte sich zu dem Aufschub gezwungen gesehen, weil die Bundespolizei FBI der Verteidigung bei der Prozessvorbereitung versehentlich Tausende von Akten nicht zugänglich gemacht hatte.

"Jones ist diskreditiert, deshalb werde ich keinen Schweiß verschwenden, um seine ausgefallenen Behauptungen einzeln zu widerlegen", schrieb McVeigh. "Glaubt irgendeiner, Jones wäre noch am Leben, wenn es wirklich einen weiteren Täter gäbe, (was nicht der Fall ist)?"

In den Akten, die die Verteidigung derzeit prüft, finden sich nach Medienberichten zahlreiche Spuren, die die Polizei bei der Suche nach möglichen Mittätern verfolgt hat. Es handelt sich um Abschriften von Gesprächen mit Zeugen, die einen weiteren Mann am Tatort oder bei der Vorbereitung des Attentats mit McVeigh gesehen haben wollen.

Nach einem Bericht der "Los Angeles Times" sind inzwischen in Baltimore weitere Dokumente aufgetaucht, die das FBI entgegen einem Gerichtsbeschluss nicht übergeben hatte. Die Polizei habe alle Büros erneut aufgefordert, sämtliche Aktenbestände nach McVeigh-Material durchzusehen. Das FBI hatte veraltete Computer und unzureichende Archivierungssysteme für die Panne verantwortlich gemacht.

1995: 168 Menschen kommen bei Sprengstoffanschlag in Oklohoma ums Leben

Bei dem Sprengstoffanschlag auf das Bundesgebäude 1995 in Oklahoma waren 168 Menschen ums Leben gekommen. McVeigh handelte aus Hass auf die Bundesregierung und aus Protest gegen Einsätze der Polizei wie die Belagerung des Sektenanwesens in Waco 1993, die er als brutal empfand. Im Prozess verweigerte McVeigh 1997 jede Aussage, brüstete sich aber in einem Anfang des Jahres veröffentlichten Buch mit dem Anschlag. Er hatte im Dezember alle Berufungsanträge abgewiesen und sich mit der Hinrichtung einverstanden erklärt.

Nach Angaben seiner Anwälte überlegt McVeigh jetzt nach Auftauchen der Dokumente, ob er das Todesurteil anfechten soll. Justizminister John Ashcroft hatte als neuen Termin den 11. Juni festgelegt. McVeigh soll mit der Giftspritze hingerichtet werden. (APA/dpa)

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