Milliardenaufträge aus dem Reich der Mitte

16. Mai 2001, 19:16
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China hat Japan als größten österreichischen Handelspartner in Asien übertroffen

Peking - "Thomas Klestil ist der goldene Schlüssel für das Reich der Mitte", schwärmte Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl am Mittwoch in Peking von seinem Bundespräsidenten. Aufgrund persönlicher Intervention Klestils beim chinesischen Staatsoberhaupt Jiang Zemin konnten einige der insgesamt 26 Verträge mit einem Auftragsvolumen von 4,4 Mrd. S mit chinesischen Partnern unterschrieben werden.

Den größten Happen bildet dabei ein Leiterplattenwerk, das von der österreichischen Firma AT&S, bei der Exfinanzminister Hannes Androsch führender Gesellschafter und Aufsichtsratspräsident ist, in Schanghai gebaut wird. AT&S wird dabei rund zwei Mrd. S (145 Mio. Euro) investieren und hofft, dass jeder Investitionsschilling künftig ein Umsatzschilling wird.

Investition

"Das ist die größte Investition, die je ein österreichisches Unternehmen getätigt hat", freute sich Androsch im Gespräch mit dem STANDARD und beklagte in gleichem Atemzug die restriktive Ausländerpolitik der österreichischen Bundesregierung, die es fast unmöglich mache, benötigtes chinesisches Fachpersonal in Österreich ausbilden zu lassen. Die steirische AT&S setzt beim Bau der Leiterplatten auf die moderne "HDI-Microvia-Technologie", die hauptsächlich bei Handys Anwendung findet. "Unsere Hauptabnehmer Siemens und Nokia produzieren in Schanghai bereits ihre Handys", betonte Androsch, der an das "gewaltige Wachstumspotenzial des chinesischen Marktes" glaubt. Weiters konnten dank der Vermittlung Klestils zwei Wasserkraftwerke der VA Tech nach China verkauft werden. Die Hoffnungen und Chancen der österreichischen Firmen beruhen aber hauptsächlich auf Marktnischen, betonte Leitl. So setzte sich der Tiroler Swarovski-Konzern gegen starke internationale Konkurrenz durch und darf nun mittels findiger Glasfasertechnik die Säle der Verbotenen Stadt in Peking ausleuchten.

Klestil eröffnete am Mittwoch neben dem neuen Büro der österreichischen Außenhandelsstelle auch eine Filiale der Raiffeisen Zentralbank (RZB) in Peking, die als erstes österreichisches Kreditinstitut eine chinesische Bank-Volllizenz erhielt. "Damit soll vor allem die österreichische Exportwirtschaft unterstützt werden", erklärte RZB-Vorstand Herbert Stepic. "Wir erwarten uns außerdem eine Fülle von Geschäftsmöglichkeiten zwischen China und unserer Kernregion Zentral-und Osteuropa."

Im Vorjahr hatte China erstmals Japan als größten österreichischen Handelspartner in Asien überflügelt. Die Exporte stiegen um 23 Prozent, die Importe sogar um 35 Prozent. Deshalb liegt das Handelsbilanzdefizit mit China erstmals über zehn Mrd. S, führte Stepic aus.

Klestil versprach seinen chinesischen Geschäftspartnern auch, dass sich Österreich für eine Aufnahme Chinas in die Welthandelsorganisation einsetzen werde. (Gerhard Plott, DER STANDARD, Printausgabe 17.5.2001)

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