"Hollywoods Arbeiterklasse" verhandelt

16. Mai 2001, 15:19
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70 Prozent verdienen bloß 10.000 Schilling im Monat

Los Angeles - Ein neuer Tarifvertrag mit höheren Mindestgagen für die "Hollywood-Arbeiterklasse" wollen die beiden amerikanischen Schauspieler- Gewerkschaften SAG und AFTRA durchsetzen. Am Dienstagabend in Los Angeles bei der Eröffnung von Tarifverhandlungen machten sie darauf aufmerksam, dass Zehntausende einfache Schauspieler Schwierigkeiten hätten, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, während die Gagen der Hollywood- Superstars immer neue Rekordmarken erreichen.

Befürchtungen, dass es nach Ablauf des jetzigen Abkommens am 1. Juli zu einem Streik kommt, der die US-Filmindustrie lahm legt, haben sich aber inzwischen zerstreut. Nachdem es Anfang Mai zwischen der Gewerkschaft der Drehbuchautoren und den Filmstudios zu einer Einigung kam, wird nach US-Presseberichten auch bei den Schauspielern mit einem baldigen Tarifabschluss gerechnet.

Lediglich zwei Prozent ihrer Mitglieder verdienten mehr als 100.000 Dollar pro Jahr, erklärten die Gewerkschaften. Die große Masse der rund 135.000 amerikanischen Schauspieler müsse sich mit anderen Jobs Geld zum Überleben verdienen. Die Einkommen jener Darsteller, die seit Jahren in kleineren bis mittleren Rollen in Fernsehserien und Kinofilmen zu sehen sind, ohne dass sich irgendjemand ihren Namen merkt, liegen laut SAG zwischen 30.000 und 70.000 Dollar. 70 Prozent der SAG- Mitglieder verdienten jedoch als Schauspieler weniger als 7.500 Dollar im Jahr - umgerechnet etwa 10.000 Schilling monatlich bei häheren Lebenserhaltungskosten.

Über die Höhe der gewerkschaftlichen Forderungen sowie Angebote der Produzenten vereinbarten beide Seiten Stillschweigen. Die Studios wiesen lediglich auf "enorm steigende Kosten" der Filmproduktion hin, wozu allerdings auch die Gagen der Superstars beitragen, von denen einige mehr als 50 Millionen Dollar im Jahr einnehmen. Zugleich drohten sie erneut mit der weiteren Verlagerung von Filmproduktion nach Kanada, wo die Schauspieler kaum gewerkschaftlich organisiert sind und wo US-Tarifregelungen nicht gelten. (APA/dpa)

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