Banken: "Neue Eigenkapitalregeln machen Kredite teurer"

15. Mai 2001, 14:20
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Ratingbestimmungen sollten nochmals überarbeitet werden

Wien - Kredite, vor allem an kleinere und mittlere Firmen, dürften in Österreich teurer werden, wenn ab 2004 die von den Banken eingegangenen Risiken differenzierter erfasst werden. Davon geht die Bundeskreditsektion in der Wirtschaftskammer Österreich angesichts der geplanten neuen Eigenkapitalvorschriften ("Basel II") aus. Syndikus Herbert Pichler kritisierte am Dienstag, dass zahlreiche Bestimmungen im Basel-II-Konsultationspapier zu US-lastig seien.

Dass sich die Eigenkapitalunterlegung von Kreditrisiken stärker am wirtschaftlichen Risikogehalt orientiert, wird von der österreichischen Kreditwirtschaft begrüßt. Ab 2004 müssen Kredite mit unterschiedlichen Eigenkapitalsätzen unterlegt werden, sie orientieren sich an der jeweiligen Bonität des enzelnen Kreditnehmers. "Unverständlich" erscheint Pichler allerdings unter anderem, dass laut Basler Papier längere Kreditlaufzeiten "bedeutende Risikofaktoren" wären.

Benachteiligung von längerfristigen Finanzierungsarten

Laut "Basel II" sollen Kredite mit langen Laufzeiten unverhältnismäßig höher mit Eigenkapital unterlegt werden als kurzlaufende Darlehen (Eigenkapitalzuschläge). Laut Bundeskreditsektion ist auch dieser Punkt stark auf kapitalmarktorientierte US-Strukturen mit gänzlich anderer Kreditfinanzierungspolitik zugeschnitten. Nach Auffassung der Kreditsektion sollte es "keinesfalls zu einer Benachteiligung von längerfristigen Finanzierungsarten, womöglich mit hypothekarischer Besicherung, kommen".

In den Stellungnahmen der österreichischen wie auch der deutschen Kreditinstitutsverbände wird kritisiert, dass zu den "Verlierern" unter dem neuen Regime schwächere Schuldner, also naturgemäß viele KMU mit weniger guter Schuldenqualität, zählen würden. Nutznießer sind Schuldner mit hoher Kreditqualität bzw. mit Top-Ratings.

In den Augen von Pichler sind die Ratingbestimmungen noch einmal zu überarbeiten. Die für das System nötigen externen Ratings seien in Österreich heute und in absehbarer Zeit nicht ausreichend vorhanden. Begrüßt wird deshalb der Ansatz, auch bankinterne Ratings als Bemessungsgrundlage für die Eigenmittelunterlegung anzuerkennen - "wenn dabei sicher gestellt ist, dass externe und interne Ratings für aufsichtsrechtliche Zwecke gleichwertig und gleichzeitig anerkannt" würden. (APA)

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