Bertelsmann korrigiert Internet-Strategie

15. Mai 2001, 13:59
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Online-Buchhändler BOL verliert Selbstständigkeit und wird mit Buchclubs zusammengefasst

Europas größter Medienkonzern Bertelsmann korrigiert seine Internetstrategie: Der vor wenigen Jahren mit großem Aufwand gestartete Online-Buchshop BOL verliert seine Selbstständigkeit und wird mit den Buchclubs zusammengefasst. Ziel sei es, durch die konsequente Verzahnung der Online- und Offline-Vertriebswege die führende Position im weltweiten Vertrieb mit Medienprodukten weiter auszubauen, berichtete der Chef der Bertelsmann DirectGroup, Klaus Eierhoff, am Dienstag.

55 Millionen Kunden und Mitglieder

Schon heute beliefert die DirectGroup, zu der die weltweiten Buch- und Musicclubs sowie die globalen E-Commerce-Geschäfte des Konzerns gehören, weltweit 55 Millionen Kunden und Mitglieder. Bisher litt das Geschäft allerdings unter einer Schwächephase der Buchclubs, die tief in die roten Zahlen geraten waren, und Anlaufverlusten beim Internet-Buchhändler BOL.

Doch schon im kommenden Jahr soll sich das Bild deutlich aufhellen: "Wir haben den Turn-around geschafft", sagte Eierhoff. Abgesehen von Sondereffekten - wie den erheblichen IT-Investitionen - werde die DirectGroup im Geschäftsjahr 2002 die operative Gewinnschwelle überschreiten und mit einem zweistelligen Millionenbetrag zum Bertelsmann-Ergebnis beitragen.

"Die Kunden sind weiter als wir. Sie nutzen virtuos alle Vertriebswege parallel."

Den Kurswechsel beim Internet-Buchshop BOL bezeichnete Eierhoff als Anpassung an das Kundenverhalten. "Die Kunden sind weiter als wir. Sie nutzen virtuos alle Vertriebswege parallel." Ziel von Bertelsmann sei es deshalb jetzt, einen Anbieter zu schaffen, der die Angebote aus einer Hand über alle Kanäle anbiete.

Probeläufe gab es zuvor in China, wo BOL von Anfang an unter der Regie des Buchclubs stand und in den USA, wo der Konzern schon früh das Musikclubgeschäft mit den Internetanbietern CD-now und BMG-Direct zusammenfasste. Die Erfahrungen dabei waren so gut, dass dieses System nun auch in Europa und Asien umgesetzt werden soll, allerdings mit regionalen Unterschieden.

Standorte Dänemark und Norwegen werden geschlossen

In Deutschland, in den Niederlanden sowie in Schweden, Finnland und Großbritannien soll BOL als eigenständiges Profitcenter in die lokalen Clubgeschäfte integriert werden. Das BOL-Angebot für die Schweiz wird künftig von Deutschland aus mitgesteuert. In Italien soll die BOL-Organisation vollständig in Mondolibri integriert werden. Die BOL-Standorte Dänemark und Norwegen werden geschlossen. Über BOL Frankreich und Japan liefen noch Gespräche mit den Partnern, hieß es.

Durch die Neuordnung soll auch die Schlagkraft der Buch- und Musikclubs im Internet verbessert werden. Schon heute machen die Clubs Bertelsmann zufolge weltweit E-Commerce-Umsätze in einer Größenordnung von bis zu zehn Prozent des Gesamtumsatzes - bei steigender Tendenz. Bis zu einem Drittel der Neumitglieder werde derzeit über das Internet geworben, dass sich damit für die Clubs zu einem entscheidenden Kanal für zukünftiges Wachstum entwickelt hat.

Große Wachstumschancen sehen die Clubmanager für die Zukunft vor allem in Spezialclubs etwa für Hobbyköche oder Freizeitgärtner, die in den USA ein großer Erfolg sind. Bereits im Sommer werde Bertelsmann in Deutschland und Frankreich die ersten Spezialclubs gründen, kündigte Eierhoff an. Schon bald könne es dann eine Fülle von Spezialclubs geben. (APA/AP)

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