Forscher warnen vor jahrzehntelanger Creutzfeld-Jakob-Epidemie

15. Mai 2001, 14:05
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Inkubationszeit genetisch unterschiedlich

London - Die menschliche Form des Rinderwahnsinns könnte sich nach Befürchtung britischer Wissenschafter zu einer Jahrzehnte dauernden Epidemie auswachsen. Ein Forscherteam vom Imperial College in London stellte am Montagabend die Ergebnisse einer Untersuchung von 99 Briten vor, die an der tödlichen Gehirnkrankheit Creutzfeld-Jakob litten. Diese Krankheit gilt als die menschliche Variante der Rinderseuche BSE.

Kurze Ansteckungszeit

Der Untersuchung zufolge könnte Creutzfeld-Jakob bei diesen Menschen deshalb ausgebrochen sein, weil bei ihnen aus genetischen Gründen die Inkubationszeit besonders kurz war - die Zeit also, die von der Ansteckung mit dem Krankheitserreger bis zum tatsächlichen Ausbruch vergeht. Dies würde aber bedeuten, dass Creutzfeld-Jakob bei Menschen mit anderen genetischen Voraussetzungen erst sehr viel später nach der Ansteckung ausbricht. Demnach wäre für die nächsten Jahrzehnte mit einem raschen Anstieg von Krankheitsfällen zu rechnen.

Epidemie

"Wir können nicht ausschließen, dass sich eine Creutzfeld-Jakob-Epidemie unter den Menschen über Jahrzehnte hinweg ausbreiten wird", sagte der Studienleiter John Collinge im britischen Fernsehsender BBC. Die Ergebnisse seiner Untersuchung würden zeigen, dass sich keiner in Sicherheit wiegen dürfe. Die ersten Fälle von Creutzfeld-Jakob traten 1996 in Großbritannien auf. Die Krankheitserreger zerfressen das menschliche Gehirn, so dass es am Ende wie ein Schwamm aussieht. Die Rinderseuche BSE hat ähnliche Symptome. (APA/AFP)

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