Berlusconi will Regierung mit Industrie- und Wirtschaftsexperten

15. Mai 2001, 13:36
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Ferrari-Präsident Montezemolo dementiert Ministergerüchte nicht

Rom - Eine Regierung aus Industriekapitänen und Wirtschaftsexperten: Das neue Kabinett des Siegers der italienischen Parlamentswahlen, Silvio Berlusconi, soll Effizienz und Kompetenz vermitteln. Die ehrgeizige Wirtschaftspolitik des Mailänder Multimillionärs, der mit seinen Steuerversprechen die Stimmen von Millionen von Italienern gewonnen hat, soll vom prestigereichen Finanzexperten Giulio Tremonti in die Tat umgesetzt werden.

Tremonti, der in der ersten Regierung Berlusconi den Posten des Finanzministers inne hatte, soll das "Superwirtschaftsministerium" übernehmen, das aus der Fusion des Schatz- und des Finanzministeriums entstehen soll. Der 53-jährige Jurist ist, wie Berlusconi, beruflich außerordentlich erfolgreich und hat sich erst spät der Politik zugewandt. In einer diplomatischen Offensive bei Botschaftern, Investmentbankern und Finanzjournalisten suchte er in den langen Wochen der Wahlkampagne die Befürchtungen in Europa wegen einer allzu großzügigen Steuerpolitik der Mitte-Rechts-Allianz zu beschwichtigen. Das Wahlmotto "Weniger Steuern für alle" und die versprochene Kürzung der Höchstsätze der Einkommens- und der Körperschaftssteuer auf maximal 33 Prozent will Tremonti in einen umsichtigen Etappenplan umwandeln. In seiner Aktion kann er mit der vollen Unterstützung von Silvio Berlusconi rechnen, der ihm blind vertraut.

Flexibles Regieren

Die neue Regierung will Berlusconi sehr flexibel gestalten. Während des Wahlkampfes versprach der Medientycoon eine Reduzierung in der Zahl der Ministerien von 18 auf 12. Das auch angesichts der Interessenskonflikte Berlusconis heikle Telekommunikationsministerium will der künftige Ministerpräsident der TV-Unternehmerin Letizia Moratti anvertrauen, die während der ersten Regierung des italienischen Medienkönigs bereits die öffentlich-rechtliche Fernsehanstalt RAI als Präsidentin geführt hatte. Letizia Moratti, Schwägerin des Erdölmagnaten und Präsidenten des Mailänder Fußballklubs Inter Mailand, Massimo Moratti, könnte die einzige Frau in Berlusconis Kabinett sein.

Populärer Star der neuen Regierung sollte der Präsident der Sportwagenmarke Luca di Montezemolo werden. Berlusconi hatte den Namen des erfolgreichen Topmanagers als künftigen Minister kurz vor den Wahlen erwähnt und somit für Aufsehen gesorgt. Montezemolo dementierte bisher nicht, an einem Ministerposten interessiert zu sein. Er kommt sowohl für das Sport- als auch für das Außenhandelsministerium in Frage. Hochkarätiger Kandidat für den Posten des Außenministers ist der frühere Chef der Welthandelsorganisation (WTO), Renato Ruggiero. (APA)

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