Akpoborie noch immer im Verdacht des Sklavenhandels

17. Mai 2001, 11:36
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Ob der Kühbauer-Kollege schuldig ist oder nicht darüber streiten nun UNICEF und "Terres des hommes"

Hamburg/Wolfsburg - Die Diskussionen um die Beteiligung von Torjäger Jonathan Akpoborie am Kindersklavenhandel in Afrika wird immer skurriler. Mittlerweile sind sich selbst die unabhängig voneinander recherchierenden Kinderhilfsorganisationen "Terre des Hommes" und "UNICEF" nicht mehr einig, was genau auf dem Fährschiff "Etireno", das dem Stürmer des Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg gehört, in der Vergangenheit geschehen ist.

"Nach derzeitigem Stand kann man keine Verbindung zwischen Kinderhandel und Akpoborie herstellen", erklärte Thomas Kurmann, "Terre des Hommes"-Sprecher, in Lausanne. Dagegen bleibt "Unicef" bei den schweren Vorwürfen gegen den nigerianischen Nationalspieler. Sprecherin Lyn Geldorf: "Nach unseren Ermittlungen waren 31 Kinder unter 18 Jahren an Bord. In fünf Fällen ist nachweisbar Geld von Sklavenhändlern an die jeweiligen Eltern geflossen."

Akpoborie in der Offensive

Nachdem auch Nigerias Außenminister Alhaji Sule Lamido seinen prominenten Landsmann entlastet hatte, ging Akpoborie bei einer Pressekonferenz in Lagos verbal in die Offensive. "Ich habe von den Behörden in Benin und Nigeria Papiere erhalten, die bescheinigen, dass meine Schiffsfirma und ich nicht in kriminelle Machenschaften verwickelt sind", sagte der 32-Jährige. Deshalb werde er, so Akpoborie weiter, spästestens Ende der Woche nach Deutschland zurückkehren und seinen Arbeitgeber über den aktuellen Sachstand informieren.

Der allerdings ist an der Arbeitskraft seines Topstürmers möglicherweise gar nicht mehr so recht interessiert. Zumindest Hauptsponsor VW betreibt energisch eine vorzeitige Trennung von Akpoborie, um einen Imageschaden beim Automobilgiganten zu vermeiden. Sicher ist, dass Akpoborie beim letzten Bundesligaspiel am Samstag beim SC Freiburg nicht zum Einsatz kommen wird.

Beschuldigung der UNICEF

Dafür, dass er und auch der VfL Wolfsburg samt Trikotsponsor in Misskredit gebracht wurde, dafür machte der Afrikaner in einem Radiointerview "UNICEF" verantwortlich. "Es ist wirklich unerhört, welche Schauergeschichtenn UNICEF unter die internationalen Medien gebracht hat. Die Zahl der angeblichen Passagiere und Kinder an Bord hat sich dauernd verändert", äußerte Akpoborie gegenüber der BBC.

Angst um einen neuen Arbeitsplatz, es wäre der zehnte seiner Profikarriere, muss der Angreifer nicht haben. Christoph Daum, Trainer bei Besiktas Istanbul, kehrte nach Deutschland zurück, um über eine Verpflichtung seines Wunschstürmers voranzutreiben. Dabei ist eine vorzeitige Vertragsauflösung Akpobories bei den Niedersachsen ebenso denkbar wie ein Tauschgeschäft mit dem slowakischen Besiktas-Spieler Miroslav Karhan.(sid)

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