Kapruner Angehöriger fuhr Gedenk-Holzkreuze nieder

15. Mai 2001, 13:38
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Mann hatte es "nicht mehr ausgehalten" - die Familie verlor beim Unglück ein Kind

Salzburg - Jene 155 Holzkreuze, die vergangenen Freitag zum Gedenken an die Brandkatastrophe vom November entlang der zur Gletscherbahn Kaprun führenden Straße aufgestellt worden sind, waren einem Kapruner Hinterbliebenen zu viel: Der Angehörige hatte die ständige Konfrontation mit dem Unglück nicht mehr ausgehalten und vergangene Nacht die Kreuze mit dem Auto niedergefahren.

Permanente Erinnern

Der Mann gehört zu einer Kapruner Familie, die bei der Brandkatastrophe am 11. November ein Kind verloren hat. Die Eltern des Opfers - dies war in Kaprun zu erfahren - sind vergangenen Freitag, als Wiener Hinterbliebene die Kreuze aufstellten, für einige Tage weggefahren, um der Qual dieses Gedenkens zu entrinnen. Denn während jene, die die hölzernen Mahnmale aufgestellt haben, wieder abgereist sind, sehen sich die Pinzgauer Hinterbliebenen dem Erinnern an das entsetzliche Geschehen permanent ausgesetzt. Ein naher Verwandter hatte schließlich die ständige Konfrontation mit dem Verlust vergangene Nacht "nicht mehr ausgehalten" und die Kreuze niedergefahren, wie es bei der Gendarmerie hieß.

"Die Leute kommen nicht zur Ruhe"

"Das ganze Um und Auf, jeder sagt, es ist zu viel. Die Leute kommen nicht zur Ruhe", schildert Peter Hofer, der Pfarrer von Kaprun, die Stimmung im Ort. "Es ist verständlich, dass manche das nicht mehr derpacken. Es staut sich so viel an." Ein Vorgehen zu finden, welches den unterschiedlichen Erwartungen aller Trauernden gerecht wird, werde schwierig sein. Man sei im Ort bemüht, etwas in die Wege zu leiten, womit Angehörige und Kapruner zufrieden seien. Etwas, das die Katastrophe nicht vergessen lässt, das Gedenken für die Hinterbliebenen aber auch nicht zur ständigen Qual werden lässt.

"Wem helfen die Kreuze?"

Jene, welche die Kreuze aufgestellt haben, "die haben ihre Ansicht", so der Pfarrer, der aber auch zu bedenken gibt: "Wem helfen die Kreuze? Sicher nicht denen, die vorbeifahren. Sicher nicht denen, die von dem Geschehen berührt sind." Es sei richtig, etwas zu machen, "was erinnert, was uns erfahren lässt, was passiert ist". Zugleich aber gelte es zu bedenken: "Die Kapruner müssen damit leben." Und deshalb sollte man auch "etwas machen, womit man leben kann", wünscht sich der Seelsorger. Denn eines zeige sich in Kaprun: "Die Leute wollen endlich Ruhe." (APA)

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