Verkehr steuern über das Handynetz

15. Mai 2001, 19:41
posten

Ericsson und One testen Verkehrsleitsystem

Wien - Der österreichische Handynetzbetreiber One sowie Ericsson Austria testen mit dem "Traffic Telematics System" ein neues Verkehrsleitsystem für Lastkraftwagen, bei dem das Postionierungssystem GPS (Global Positoning System) mit der neuen Handynetztechnologie GPRS (General Packet Radio Service) gekoppelt wird.

In einem Feldversuch, der von Mitte Mai bei Juni dauern soll, wurden insgesamt 60 Lkw von zwei Transportunternehmen mit der neuen Technologie ausgestattet. Getestet wird das Verkehrsleitsystem auf einer Strecke von 20 Kilometern südlich von Wien. Die Lkw verfügen über ein GPS-System und einem GPRS-fähigen Handy.

Die geografische Position des Fahrzeugs wird mit Hilfe von GPS bis auf eine Abweichung von fünf Metern genau bestimmbar sein. In einem Terminal, da im Fahrzeug installiert ist, werden die Daten zwischengespeichert und dann via Handy an eine Datenzentrale weitergeleitet, wo die Daten gespeichert werden und die Fahrzeuge zentral dirigiert werden können.

Das System eigne sich insbesondere als Verkehrsleitsystem für Frächter und Speditionen, sagte Jorgen Bang-Jensen, Geschäftsführer von One. Zusatzservices, wie Routenplanung, Verkehrsinformation oder die Berechnung von Autobahngebühren im Sinne des Roadpricing-Systems, das in Österreich eingeführt werden soll, könne ebenso mit dieser Technik erfolgen.

Ericsson, das für One die Netzinfrastruktur für die dritte Handygeneration UMTS liefert, will dabei auch als Dienstleister tätig werden, sagte Kjell Johannson, Generaldirektor der Ericsson Austria.

E-Maut ab 2003

Um die Vergabe des elektronischen Mautsystems in Österreich rechnen sich neben One und Ericsson fünf weiteren Bietergruppen, darunter Kapsch und Siemens, gute Chancen aus. Die Anmeldefrist für die Bewerbung ist der 28. Mai. Im kommenden Frühjahr soll die Vergabe durch die Straßenfinanzierungsgesellschaft Asfinag, die mit der Einführung der elektronischen Maut betraut ist, erfolgen. Das Finanzministerium rechnet dabei mit Mauteinnahmen in der Höhe von 3,5 Milliarden Schilling.

Mit der Einführung des elektronischen Mautsystems in Österreich, bei der sämtliche Lastkraftwagen mit einem zulässigen Gesamtgewicht von über 3,5 Tonnen mit der Computertechnik ausgestattet sein müssen, wird frühestens Anfang 2003 gerechnet.

Ericsson rechnet damit, dass rund 100.000 Geräte ausgeliefert werden. Das Computerterminal soll etwa 2000 bis 3000 Schilling kosten. (jake, DER STANDARD, Printausgabe 16.5.2001)

Share if you care.