Der europäische Traum von Deportivo Alaves

17. Mai 2001, 09:11
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In elf Jahren vom Viertdivisionär ins UEFA-Cup-Finale

Vitoria/Dortmund - In elf Jahren von der vierten Liga wie eine Rakete ins UEFA-Cup-Finale. Das ist wohl einzigartig. Vorexerziert von Deportivo Alaves aus Vitoria, dem am wenigstens bekannten Oberhaus-Klub im Baskenland. 1990 stieg die Mannschaft von der vierten in die dritte Liga auf, von wo ihr 1995 der Sprung in die zweite Leistungsstufe glückte. Dort gab es zunächst die Ränge sieben und 13, ehe 1998 eindrucksvoll mit dem Titel die Zugehörigkeit zur Primera Division erkämpft wurde. Übrigens nach 42 Jahren Abstinenz.

In der ersten Saison kämpfte Alaves gegen den Abstieg, dem der Klub als 16. aber entging. In der zweiten setzten sich die Basken aber schon im Vorderfeld fest, gewannen u.a. im Nou Camp und Bernabeu und qualifizierten sich als Sechste sogar für den UEFA-Cup, in dem sie insgesamt sechs Klubs (u.a. Rosenborg, Inter Mailand und den 1. FC Kaiserslautern) eliminierten.

Sieg bei Inter

Den Deutschen werden sie nach den 5:1 und 4:1-Siegen lange in unangenehmer Erinnerung bleiben. Auch bei Inter weiß man nun, wer Alaves ist - einem 3:3 in Vitoria folgte ein 0:2 in Mailand. Die Basken, in dieser Saison als aktuelle Neunte weit vom Abstieg und nur knapp von einem UEFA-Cup-Platz entfernt, verloren eine einzige Partie - mit 1:2 in Madrid gegen Rayo Vallecano, allerdings hatten sie schon das Hinspiel mit 3:0 für sich entschieden.

Mitentscheidend für den Höhenflug war die Verpflichtung von Jose Manuel Esnal "Mane" Balmaseda 1997. Mit dem gebürtigen Basken (51), der vorher Figueras, Lleida, Mallorca und Levante betreut hatte, kam der Aufschwung. Vom 13. Platz in der zweiten Liga 96/97 führte der Trainer die Mannschaft in der nächsten Saison zum Titel und damit ins Oberhaus.

Cruyff blüht auf

Bekanntester Spieler des UEFA-Cup-Finalisten ist der Niederländer Jordi Cruyff, der nach drei eher frustrierenden Saisonen bei Manchester United und einem Jahr in Vigo in dieser Saison im Dress von Alaves aufgeblüht ist. Das Trumpfass heißt jedoch Javi Moreno, der mit 21 Toren die Schützenliste in der Meisterschaft anführt. Mit vier Treffern ist er auch im UEFA-Cup die Nummer eins. Doch insgesamt trugen sich bereits zwölf andere Spieler in die Schützenliste ein - gerade das macht die Mannschaft so wenig ausrechenbar.

Der argentinische Torhüter mit italienischem Pass, Martin Herrera, der rumänische Verteidiger Cosmin Contra, der jugoslawische Spielmacher Ivan Tomic und der uruguayische Stürmer Ivan Alonso sind weitere Atouts im Alaves-Ensemble mit "gutem Mannschaftsgeist, ohne Stars", wie Contra betont. "Man gab jungen Spielern eine Chance, brachte einige gute Ausländer und wir sind nun ein Ernst zu nehmendes Team", stellte Kapitän Antonio Karmona fest.

"Wir glauben, wir haben hier wirklich etwas aufgebaut", sagte Chef Mane, der ein Angebot von Valencia abgelehnt hat, um bei Alaves zu bleiben. "Wer meint, wir hätten vor Liverpool Angst, der irrt. Wir geben unser Herz und unsere Seele für diesen Titel. Wir sind bereit der Fußball-Welt zu zeigen, dass auch kleine Klubs erfolgreich sein können." sagte Mane vor dem Endspiel.

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www.alaves.com

WEG INS FINALE

Gaziantepspor
0:0/H, 4:3/A
Lilleström
3:1/A, 2:2/H
Rosenborg T.
1:1/H, 3:1/A
Inter Mailand
3:3/H, 2:0/A
Rayo Vallecano
3:0/H, 1:2/A
Kaiserslautern
5:1/H, 4:1/A

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