Journalist nach Bombenanschlag verletzt

15. Mai 2001, 15:34
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Wahlsieger schlagen "Runden Tisch" vor - ETA-nahes Bündnis gesteht negative Auswirkung von Anschlägen ein

Bilbao - Bei einem Bombenanschlag im Baskenland ist zwei Tage nach der Parlamentswahl ein Journalist verletzt worden. Gorka Landaburu erlitt bei der Explosion einer Briefbombe am Dienstagmorgen in der Nähe von San Sebastian Verletzungen im Gesicht und an den Händen. Der Journalist der Zeitschrift "Cambio 16" schwebte aber nach Angaben von Ärzten nicht in Lebensgefahr. Hinter dem Anschlag wird die baskische Untergrundorganisation ETA vermutet.

Die Bombe detonierte beim Öffnen des Briefes gegen 10.20 Uhr in der Wohnung des Journalisten in der Küstenstadt Zarauz, wie die Nachrichtenagentur EFE meldete. Landaburus Frau Marina sagte im Rundfunk, der Brief sei bereits am Montag angekommen. Landaburu arbeitet auch für einen spanischen Fernsehsender und gehört einer bekannten baskischen Familie an.

Sein Bruder leitet die baskische Ausgabe der größten spanischen Tageszeitung "El Pais". Beide stehen vermutlich auf der Todesliste der Untergrundorganisation ETA und waren von deren Sympathisanten mehrmals bedroht worden. Laut Rundfunkberichten wurde das Haus des Journalisten mehrmals mit Brandsätzen beworfen.

Der Anschlag erfolgte zwei Tage nach der verheerenden Wahlniederlage des ETA-nahen Bündnisses Euskal Herritarrok (Baskische Bürger, EH). Dieses hatte bei der Wahl am Sonntag die Hälfte seiner 14 Mandate verloren, was als Absage der Bevölkerung an die jüngste Terrorwelle der ETA gewertet wurde. Die Organisation hat seit dem Ende ihrer 14-monatigen Waffenruhe im Dezember 1999 30 Menschen ermordet, darunter auch Journalisten.

EH-Führer Arnaldo Otegi räumte ein, dass die Anschlagserie seiner Partei geschadet habe. "Wahrscheinlich hatte die bewaffnete Dynamik negative Auswirkungen", sagte Otegi, dessen Partei ETA-Anschläge nicht verurteilt.

Die spanische Regierung reagierte unterdessen zurückhaltend auf den Vorschlag der im Baskenland regierenden Baskischen Nationalpartei (PNV), den Konflikt durch Verhandlungen aller Parteien nach nordirischem Beispiel zu entschärfen. Parteichef Xabier Arzallus hatte dies am Montag nach dem deutlichen PNV-Wahlerfolg angeregt. Ein Vorstandsmitglied der in Madrid regierenden konservativen Volkspartei (PP), Jose Maria Alvarez del Manzano, erinnerte daran, dass ein ähnlicher Versuch 1998 während der Waffenruhe der ETA gescheitert war.

Die ETA kämpft seit drei Jahrzehnten für einen unabhängigen Baskenstaat in Nordspanien und Südfrankreich. Sie wird für den gewaltsamen Tod von etwa 800 Menschen verantwortlich gemacht. (APA/AP/Reuters)

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