Benennung von Kleinplaneten folgt strengen Regeln

15. Mai 2001, 11:25
posten

Nur tote Politiker können am Himmel verewigt werden

Wien/Linz - Die Benennung von Kleinplaneten nach irgendwelchen mehr oder weniger bekannten Personen erfreut sich steigender Beliebtheit. Tatsächlich folgt die Namensgebung strengen, internationalen Regeln; kurioses Detail: "Personen, die vorwiegend wegen ihrer politischen oder militärischen Handlungen bekannt sind, müssen seit zumindest 100 Jahren verstorben sein, bevor ihr Name an den Himmel versetzt werden kann", teilte die Linzer Astronomische Gesellschaft in einer Aussendung mit.

Die Linzer Amateur-Astronomen - international anerkannte Kleinplanetenfinder - hatten mit einer Aktion im Rahmen der ScienceWeek 2001 Aufsehen erregt: Unter den Teilnehmern der Aktion "Wie viele Sterne sehen wir noch?" wird ein Gewinner ermittelt und nach diesem dann ein Kleinplanet benannt.

Neben den Kometen, welche die Namen ihrer Entdecker bekommen, sind Kleinplanteten - oder Asteroiden - die einzigen Himmelskörper, die nach Personen benannt werden. Dem Entdecker eines Asteroiden steht das Recht zu, einen Namen vorzuschlagen. Die entgültige Entscheidung über die Benennung liegt aber beim Committee für Small-Body Nomenclature (CSBN) der Internationalen Astronomischen Union (IAU), das sich aus 13 Wissenschaftern aus aller Welt zusammensetzt.

Die Benennung eines Asteroiden erfolgt dabei nach strengen Regeln und ist nicht käuflich. Zunächst muss einmal die Bahn des Himmelskörpers exakt bekannt sein, die Entdeckung alleine reicht daher nicht. Für die Bahnberechnung wird eine regelmäßige Beobachtung über einen Zeitraum von mindestens sechs Jahren angesetzt. Oft dauert die Prozedur aber auch wesentlich länger.

Auch für den Namen selbst gibt es strenge Kriterien, so muss er aussprechbar sein und darf eine bestimmte Länge nicht überschreiten. Neben Figuren aus der Mythologie verschiedener Kulturkreise, berühmten Wissenschaftern und Namen von Ländern, Städten und Regionen findet sich unter den Asterioden auch so manches Kuriosum, so "Mr. Spock", "Zappafrank" oder "James Bond". Die Linzer Astronomen haben mittlerweile auch ihre Privatsternwarte im Asteriod Nr. 9097 mit dem Namen "Davidschlag" verewigt.

Im Gegensatz zu Asteroiden und Kometen werden Sterne nicht nach Personen benannt. Hellere Sterne tragen überlieferte, arabische Namen, schwächere Sterne werden schlicht mit Katalognummern versehen.

Verschiedene Unternehmen bieten die "Taufe" von Sternen als Dienstleistung an, diese Namen werden von der IAU jedoch nicht anerkannt, betonen die Astronomen. Gekaufte Sternnamen werden daher auch in keiner offiziellen Sternkarte verzeichnet. (APA)

Share if you care.