Mit Highspeed ins Internet dank SHDSL

15. Mai 2001, 17:26
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Erste Geräte für die ADSL Nachfolgetechnologie werden schon getestet

Zuwachs im Abkürzungswirrwarr der Telekommunikation: SHDSL steht für Symmetric High-density Digital Subscriber Line - also für eine digitale Verbindung, bei der die Daten mit höchster Dichte sowohl beim Senden als auch beim Empfangen in gleicher Geschwindigkeit übertragen werden.

Abgesegneter Standard

SHDSL ist aber mehr als ein weiterer Standard in der Familie der rund 200 DSL-Abkürzungen (Digital Subscriber Line) im Bereich der digitalen Übertragung von Daten über eine normale Telefonleitung. SHDSL hat den großen Vorteil, dass es den Segen der Internationalen Telekommunikationsunion (ITU) erhalten hat und damit einen weltweiten Standard bietet, wie Dano Ybarra erklärt, Vizepräsident von Efficient Networks, dem nach eigenen Angaben weltgrößten Hersteller von DSL-Endgeräten.

Zukunftsträchtig

Gerade diese Standardisierung mache SHDSL zu einem äußerst zukunftsträchtigen Modell, sagt Ybarra. Auch Marktforschungsunternehmen wie IDC sehen gute Chancen für die gesamte DSL-Technik, ungeachtet der Probleme, die in letzter Zeit einige DSL-Anbieter hatten, die mit ihren Tarifen um die Gunst der Kunden kämpfen, und auch trotz der Konkurrenz, die das Telefonkabel inzwischen durch Kabelanbieter, Satelliten oder drahtlose Übertragungswege erhalten hat. Das Kürzel SHDSL wird auch teilweise als Single Line High-Speed DSL, als Symmetrical High Bit Rate DSL oder als Single-pair High Bit Rate DSL aufgelöst - die Technik ist aber immer die gleiche.

SHDSL sei wohl nichts für den normalen Internetsurfer, sagt Ybarra. Für den sei ADSL weiter erste Wahl - bekannt ist hier vor allem das Telekom-Angebot TDSL. ADSL steht für die asymmetrische Übertragung der Daten: Der Datenturbo ist nur beim Download eingeschaltet. Unternehmen müssen aber auch große Mengen an Daten versenden, weshalb sie auch für die Upload-Richtung entsprechende Kapazitäten brauchen.

Bis 2,3 Mbit/s

SHDSL sei ideal für kleine und mittlere Unternehmen bis etwa rund 250 Mitarbeiter, erklärt Ybarra. Es bietet einen schnellen Internet-Zugang mit einer Geschwindigkeit bis zu 2,3 Megabit pro Sekunde (Mbps), bei einer Bündelung von zwei Telefonleitungen sind sogar 4,6 Mbps möglich. Und das in beiden Richtungen, sowohl beim Herunterladen von Daten aus dem Internet als auch beim Upload, dem Verschicken von Daten.

Mit der Markteinführung von SHDSL in Europa sei wohl schon in der zweiten Jahreshälfte zu rechnen, sagt Ybarra. Efficient Networks und andere Gerätehersteller und Service-Anbieter bei DSL-Geräten stehen in den Startlöchern. Die ersten Tests mit den neuen Geräten in Europa seien schon abgeschlossen, Asien und die USA folgen vermutlich rund ein halbes Jahr später. Gegenüber den bisherigen Techniken biete SHDSL eine Reihe von Vorteilen, erklärt Ybarra. So werden keine neuen Leitungen benötigt, auch sind keine großen technischen Aufrüstungen notwendig.

Grössere Reichweite

Wichtig für die Anbieter dieser Technik ist die gegenüber bisherigen SDSL-Angeboten um rund 30 Prozent vergrößerte Reichweite: Es können jetzt mehr potenzielle Kunden angesprochen werden. Zudem kann SHDSL auch gut neben ADSL existieren, weil beide Übertragungsarten unterschiedliche Frequenzbereiche nutzen.

Efficient Networks, seit April eine Tochter des Siemens-Konzerns, blickt auf eine inzwischen vierjährige Erfahrung mit DSL-Produkten zurück, von der PC-Modemsteckkarte bis zum Router mit der Möglichkeit der Sprachübertragung. Für SHDSL und speziell für die Zielgruppe der mittelständischen Unternehmen wurde ein Business-Router entwickelt, der jetzt bei einigen führenden europäischen Telekommunikationsanbietern, zum Beispiel in den Niederlanden und Großbritannien, getestet wird.

Firewall inklusive

Im Juli soll das Gerät dann zum Preis von 630 Euro (4.432 S) auf den Markt kommen. Es ist etwas größer als eine Zigarrenkiste und bietet für einen Eingang acht Anschlüsse und darüber hinaus unter anderem noch eine Firewall, um das System gegen unbefugtes Eindringen zu sichern. Es biete auch die Möglichkeit der Fernwartung, was gerade für kleinere Firmen interessant sei, die sich keinen eigenen Servicetechniker leisten wollten, sagt Ybarra.

Angesichts der Vorteile von SHDSL würden wohl viele Firmen von ihrem bisherigen ISDN-Anschluss zu SHDSL wechseln, zeigt sich Ybarra zuversichtlich. Und die Anbieter würden ihre bisherigen SDSL- oder HDSL-Angebote schon bald auf die mehr Leistung versprechende SHDSL-Technik umstellen. Bleibt für die Unternehmen nur noch zu hoffen, dass sie auf ihren SHDSL-Anschluss nicht so lange warten müssen wie Otto-Normalsurfer auf seinen ASDL-Anschluss.(AP)

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