Mit Frauenpower in die Technik

15. Mai 2001, 18:17
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Neue berufliche Perspektiven

Wien - Tina ist achtzehn. Nachdem sie erst die HBLA und dann die Maturaschule abgebrochen hatte, wusste sie nicht, wie es beruflich weitergehen sollte - bis sie "Girls go Technics", ein Pilotprojekt des Arbeitsmarktservice zur För derung junger Frauen im IT-Bereich, entdeckte.

Seit Ende Februar lernt Tina nun gemeinsam mit 29 anderen Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren, wie man mit Computerprogrammen umgeht, in Computer- und Telefonnetzwerken arbeitet, wie man mit Kunden redet und Konflikte im Team löst. "Ich würde später gerne in einer Onlineredaktion arbeiten", schildert Tina ihre neuen Berufswünsche. Die Ausbildung dauert vier bis sechs Monate, inklusive drei Wochen Praktikum in IT-Unternehmen.

"Die Mädchen arbeiten in zwei Gruppen und werden von vier TrainerInnen betreut", erklärt Karl Parisot, Leiter der Unternehmensberatung Weidinger & Partner, die das Projekt durchführt und auch in anderen Jugendprojekten mit dem AMS kooperiert. Nach Abschluss der Basisausbildung sollen die jungen Frauen dann Internetgrundlagen beherrschen, über Hard- und Software Bescheid wissen und mit den wichtigsten Programmen wie Word, Excel und Powerpoint arbeiten können. Neben dem EDV-Wissen wird aber auch viel Zeit in die Schulung von Kommunikationsfähigkeit und sozialen Kompetenzen investiert. "Außerdem wollen wir mit ,Girls go Technics' ein öffentliches Bewusstsein dafür schaffen, dass gerade die IT-Berufe eine besondere Chance für Frauen und Mädchen darstellen", so Parisot.

Alternative

Wie Tina haben auch die anderen jungen Frauen eine weiterführende Schule oder eine Lehre abgebrochen. "Mit unserer Ausbildungsform bieten wir ihnen einen Kompromiss zwischen Job, Schule und Lehre - Mädchen, die z. B. den Schuldruck nicht ausgehalten haben, blühen bei uns richtig auf, und 19-Jährige, die nicht noch drei Jahre Lehre durchhalten würden, finden hier eine Alternative", so Projektkoordinatorin Ruth Picker.

Binnen vier Monaten nach Kursabschluss sollen die Teilnehmerinnen eine Arbeitsstelle finden oder eine Lehrstelle antreten, z. B. in Callcentern, Onlineredaktionen oder in EDV-Firmen. Dass der Start "draußen" Hürden mit sich bringen kann, weiß Parisot aus Erfahrung: "Viele Unternehmer haben, gerade bei Mädchen, immer noch das Vorurteil, dass man mit 15 Jahren noch keine Kompetenz haben kann - mit der Ausbildung bei uns haben sie schon einen Startvorteil."

20 Teilnehmerinnen können sich nach der Grundausbildung noch zwei Monate lang in den Bereichen Homepage-Wartung oder PC-Administration spezialisieren. "Unternehmen, die an der Aufnahme von Absolventinnen interessiert sind, haben die Chance, dass das Lernprogramm auf ihre spezifischen Anforderungen ausgerichtet wird", so Projektleiter Parisot.

Die ersten Teilnehmerinnen werden Mitte Juni abschließen, die anderen Anfang August. Ihre Berufschancen bewertet Trainerin Picker positiv: "Wir haben großes Interesse von Firmen signalisiert bekommen - weitere Anfragen sind jederzeit willkommen." (red)

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