Israelische Armee rückt in Betlehem ein

15. Mai 2001, 19:35
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Mindestens vier Palästinenser sterben am "Tag der Katastrophe" - Über hundert teils schwer Verletzte

Gaza - Die israelische Armee ist am Dienstag in die palästinensisch kontrollierte Stadt Bethlehem einmarschiert. Die Soldaten lieferten sich heftige Schusswechsel mit Sicherheitskräften von Palästinenser-Präsident Yasser Arafat, wie dessen Fatah-Organisation mitteilte. Über bei dem Vormarsch Verletzte wurde zunächst nichts bekannt. Den Angaben zufolge rückten die Israelis mit mehreren Militärfahrzeugen in die Stadt im Westjordanland vor. Am so genannten Nakba-Tag, dem "Tag der Katastrophe", wurden im Westjordanland und im Gaza-Streifen mindestens vier Palästinenser getötet und weit mehr als 100 schwer verletzt.

Israelische Soldaten seien auch in den nahe gelegenen Palästinenser-Ort el Khader eingedrungen, um mutmaßliche palästinensische Schützen zu verfolgen, teilte die Fatah weiter mit. Überall in den Selbstverwaltungsgebieten lieferten sich palästinensische Demonstranten und israelische Sicherheitskräfte am 53. Jahrestag der Staatsgründung Israels gewaltsame Straßenschlachten.

Bei gewaltsamen Zusammenstößen in Ramallah im Westjordanland zum palästinensischen Tag der "Katastrophe" erschossen israelische Soldaten am Nachmittag einen weiteren Palästinenser. Neben dem jungen Mann kamen im Gazastreifen und im Westjordanland nach Krankenhausangaben drei weitere Palästinenser ums Leben, mehr als 120 wurden zum Teil schwer verletzt. In Ramallah starben insgesamt zwei Palästinenser, als israelische Soldaten auf Steine werfende Demonstranten schossen. Auch am Grenzübergang Erez im Gaza-streifen erschossen Soldaten einen palästinensischen Demonstranten. Am Morgen starb ein Leibwächter des Chefs der radikal-islamischen Hamas, Scheich Ahmed Yassin, als eine israelische Panzergranate sein Auto traf und explodierte

Tag der Katastrophe

Mit dem Nakba-Tag erinnern die Palästinenser an die israelische Staatsgründung am 15. Mai 1948, die zur Flucht und Vertreibung von Hunderttausenden von Arabern führte. Die palästinensische Führung hatte am Montag angekündigt, dass Zehntausende an diesem Dienstag gegen die israelische Besatzung demonstrieren werden. Im vergangenen Jahr waren bei eine Woche andauernden Unruhen anlässlich des Nakba-Tages acht Palästinenser getötet und etwa 600 zum Teil schwer verletzt worden.

Nach israelischen Berichten rechnen die Geheimdienste des Landes in den kommenden Tagen mit Terroranschlägen innerhalb Israels und einer Zunahme der Angriffe gegen israelische Siedlungen in den Palästinensergebieten. Die israelischen Truppen wurden angesichts der befürchteten Unruhen drastisch verstärkt. (APA/dpa)

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