Hollywood im Kampf gegen DivX

16. Mai 2001, 15:20
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"Stehen erst am Anfang der Film-Piraterie"

Zwei Jahre nach Beginn des MP3-Booms für Musik im Internet steht die Filmindustrie jetzt vor einer ähnlichen Entwicklung: Das Videokompressionsverfahren DivX bringt Hollywood-Manager um den Schlaf und technisch ambitionierte Kinofreunde an den Rand der Legalität.

Prozess derzeit in New York

Das Kompressionsverfahren DivX packt Spielfilme so stark zusammen, dass sie auf eine CD-ROM gebrannt oder im Internet getauscht werden können. Heller setzt beim "Rippen" der DVD-Daten die zum Aushebeln des Kopierschutzes entwickelte Software DeCSS ein, deren Verbreitung im Internet derzeit Gegenstand eines Prozesses in New York ist.

"Wir stehen gerade erst am Anfang der Film-Piraterie"

"Wir stehen gerade erst am Anfang der Film-Piraterie", sagt Heller. "Wer wäre nicht daran interessiert?!" Die Filmindustrie will die Herausforderung annehmen: Bevor sie ähnliche Verluste wie die Musikbranche durch MP3 erleidet, soll der DivX-Codec (Kodierer/Dekodierer) zu einem sicheren Standard entwickelt werden, der den freien Tausch im Internet unmöglich macht.

"Ich denke, die Technik ist wunderbar"

"Ich denke, die Technik ist wunderbar", sagt der Vorsitzende des amerikanischen Filmindustrieverbands MPAA. "Ich betrachte DivX nicht als Piratenwerkzeug." In Verbindung mit strikten Sicherheitsmaßnahmen könnte DivX die Antwort sein, wenn es um das Internet als Vertriebsweg für Spielfilme gehe. Allerdings sind bereits so viele freie Versionen von DivX im Umlauf, dass es schwierig werden dürfte, den Geist in die Flasche zurück zu verbannen.

DivX als Open Source

Im Wettbewerb mit anderen Kompressionsverfahren für Filme wie denen von Real Networks, Microsoft und Apple mit seiner Quicktime-Technik setzen die Förderer von DivX auf das Prinzip eines offenen Standards. Wie bei der Software der Open-Source-Szene sollen freie Entwickler DivX weiter verbessern.

Standard soll akzeptiert werden

Zu den führenden Betreibern zählt das im kalifornischen San Diego ansässige Unternehmen DivXNetworks, das mit Produktions- und Online-Vertriebsfirmen über Partnerschaften verhandelt. Die Startup-Firma hofft, dass DivX ein De-Facto-Standard wie - wie MP3, das die Plattenfirmen auch zähneknirschend akzeptiert haben.

Microsoft sezt zum Kampf an

Allerdings droht DivX ein langwieriger Rechtsstreit mit einem mächtigen Gegner: Microsoft hat DivXNetworks vorgeworfen, Bestandteile seiner Windows-Media-Technologie gestohlen zu haben. "Es ist unsere Technik, und sie haben ihr im wesentlichen nur einen anderen Namen verpasst", sagt Michael Aldridge von der Digital-Media-Abteilung des Software-Konzerns. "Das ist so, als ob man einen Volkswagen nimmt, das Markenzeichen von der Motorhaube entfernt und DivX darauf setzt."

Vorwürfe werden zurückgewiesen

Der Mitbegründer und Vorstandschef von DivXNetworks, Jordan Greenhall, weist die Beschuldigung zurück: Die jüngste Version der Software sei von Grund auf neu geschrieben worden.

"Piraterie schadet DivX"

Daniel Lukis aus Chicago nutzt DivX für die Speicherung seiner eigenen Home-Videos und für private Kopien von Filmen mit seinem Lieblingskomiker Jerry Seinfeld - dies ist legal, solange er diese nicht online mit anderen austauscht. Davon aber hält Lukis, der ein Internet-Diskussionsforum über DivX moderiert, gar nichts. Er befürchtet, dass die Film-Piraterie der DivX-Technik schadet. "Diese Leute geben DivX ein schlechtes Image, genauso wie Napster es mit MP3 getan hat - die Leidtragenden sind dann die ehrlichen Anwender dieser Formate." (APA)

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