"Frankenbugs" im Anflug

15. Mai 2001, 10:12
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Vor Freisetzungstests mit Gen-Insekten

Washington/New York - In Nord- und in Südamerika sollen diesen Sommer erste Tests zur Freisetzung gentechnisch manipulierter Insekten durchgeführt werden. Und auch Insekten für Afrika sind in Entwicklung.

Damit kommt ein lange zurückhängender Zweig der Gentechnik - "transgene Insekten" oder auch "Frankenbugs" - ins Stadium der Anwendung: Die Gen-Insekten dienen unterschiedlichen Zwecken, sie sollen Ernteschäden minimieren und Krankheiten fern halten.

Letzteres ist laut New York Times beim "kissing bug" schon weit gediehen. Das ist eine Wanze, die nächtens an Menschen Blut saugt - bevorzugt am Mund, weil sie sich am Kohlendioxid der Atemluft orientiert, was ihr auch den Namen eingetragen hat. Ihr Kuss bringt 50.000 Menschen in Südamerika jährlich den Tod, weil die Wanze den Erreger der Chagas-Krankheit überträgt, die langsam das Herz zerstört.

"Paratransgenese"

Dem wollen Forscher der Yale University ein Ende machen, durch "Paratransgenese", eine gentechnische Veränderung nicht des Insekts selbst, sondern von Bakterien, die in seinem Magen wohnen. Sie sollen so verändert werden, dass sie den Insektenmagen in dem Moment durchlöchern, in dem der Chagas-Erreger im Insekt auftaucht.

Ganz ähnlich soll laut Discovery ein System arbeiten, das an der Michigan State University gegen die ärgsten aller Infektionsüberträger entwickelt wird, gegen jene Moskitos, die Malaria und mit ihr etwa drei Millionen Menschen im Jahr den Tod bringen. Diesmal soll das gesaugte Blut als "Schalter" das Immunsystem der Insekten so mobilisieren, dass der Erreger getötet wird. Andere Ansätze wollen die Moskitos für die Erreger unzugänglich machen.

Auf ein Insekt selbst hingegen - den "pink bollworm", einen Baumwollschädling - zielen Gentechniker an der University of California Riverside. Sie haben ihm ein Gen eingebaut, das für den Schädling tödlich ist, natürlich erst dann, wenn er sich vermehrt hat: Alle "Frankenbugs" sollen ihre tödlichen Gene in die Wildpopulationen tragen.

Ob das überhaupt gelingen kann, ist das eine Problem der Strategie. Das zweite liegt in höchst unerwünschten Nebenwirkungen, die im milderen Fall einfach dazu führen könnten, dass die Genveränderung in der Natur ihre Kraft wieder verliert und dann noch mehr Insekten da sind. Im gröberen Fall könnten Insekten statt eines Erregers, den sie dann nicht mehr übertragen, einen anderen übertragen. Worst case: Moskitos könnten statt Malaria HIV bringen, was sie bisher nicht tun.

Deshalb sind Freisetzungen höchst umstritten und werden nur in kleinstem Maßstab vorbereitet. Der "bollworm" soll in geschlossenen Käfigen auf Baumwollfeldern in den USA platziert werden, der "kissing bug" in ummantelten Hütten in Südamerika. (jl)

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